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Social Media in Unternehmen: Wenn das Mittel zum Zweck wird

17 Dezember 2013 Katrin Wodzicki 2.332 views 4 Kommentare

Immer mehr Unternehmen führen Social Media ein. Doch warum eigentlich? Hoffentlich nicht, weil es alle tun!

Social Media sind eins der Beispiele, bei denen das Mittel – Social Media – schnell zum (Selbst-)Zweck werden kann. Will ein Unternehmen wirklich die „Weisheit seiner Mitarbeitenden“ heben? Geht es darum, die Kommunikation untereinander und hierarchieunabhängig zu fördern? Ist das Unternehmen bereit für mehr Transparenz und Mitarbeiterbeteiligung?

Social Media können diesen und weiteren Zwecken dienen. Am Anfang sollte jedoch der Zweck stehen. Nicht die Technologie! Was sind die Herausforderungen, vor denen das Unternehmen steht? Um welche Art von Kommunikation oder Wissen geht es dabei? Von wem und an wen? Vor dem Hintergrund welcher Unternehmenskultur?

Das sind die Fragen, die sich die Verantwortlichen zuerst stellen müssen. Die Antworten bilden die Grundlage, um eine Kommunikations- oder Wissensmanagementmaßnahme auszuwählen. Diese Maßnahme muss nicht notwendigerweise die Einführung einer Social Media Anwendung sein. Manchmal reicht vielleicht schon die bessere Organisation von Sitzungen – um die Ergebnisorientierung zu unterstützen. Oder die Einführung von Kick-off Treffen zu Projektstart – um den Gruppenbildungsprozess zu fördern und ein arbeitsgruppenübergreifendes Arbeiten zu ermöglichen. Manchmal ist eine räumliche Umgestaltung, wie die Einrichtung einer Kaffee-Ecke, sinnvoll – um die informelle Kommunikation und das wechselseitige Kennenlernen von Expertisen zu verbessern. In großen Unternehmen kann es dann aber auch ein soziales Online-Netzwerk mit Mitarbeiterprofilen und Mircoblogging sein, da eine Kaffee-Ecke möglicherweise in ihrer Wirkung auf den Teil der Mitarbeitenden beschränkt bleibt, der zu ihr einfachen und schnellen Zugang hat (was nicht notwendigerweise gegen eine oder mehrere Kaffee-Ecken spricht, die auch die Arbeitsmoral fördern können).

Wichtig ist darüber hinaus, sich von Zeit zu Zeit zu fragen, ob eine getroffene Maßnahme (noch immer) den ursprünglichen Zweck erfüllt. Zu schnell passiert es, dass an der Maßnahme „herumgedoktort“ wird und der ursprüngliche Zweck aus dem Blick gerät. Da wird die Bedienungsfreundlichkeit des sozialen Online-Netzwerks optimiert, obwohl dies die Mitarbeitenden auch nicht motiviert, ihr Erfahrungswissen zu teilen, wenn Wissen im Zuge von Personalabbau zu Macht wird.

„Vollkommenheit entsteht nicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.“ (nach Antoine de Saint-Exupéry)

Wenn Maßnahmen ihren Zweck erfüllen, sollten sie – nach erfolgreicher Einführung und Etablierung – aus dem Arbeitsalltag der Mitarbeitenden nicht mehr wegzudenken sein. Und das nicht, weil sie zur Pflicht werden. Sondern weil sie den Mitarbeitenden einen wirklichen Mehrwert bringen! Wenn beispielsweise Mitarbeitende mit dem firmeninternen Produkte-Wiki schneller und besser auf Kundenanfragen eine Antwort finden und fehlende Fragen plus Antworten sofort ergänzen, so dass sie anderen KundenberaterInnen bei einer ähnlichen Anfrage zur Verfügung stehen – das Produkte-Wiki also in Qualität und Aktualität durch nichts mehr zu ersetzen ist.

Mit der Prämisse des Mehrwerts und der regelmäßigen Überprüfung der Zweckdienlichkeit ließe sich womöglich so manch unsinnige Maßnahme vermeiden, anpassen oder abschaffen.

 

Bildnachweis: © Karl-Ernst Wodzicki | Hände wärmen

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4 Kommentare »

  • Ralf Olleck said:

    sehr schön – volle Zustimmung!

  • Rainer Ostendorf said:

    “Gebildet ist, wer weiß, wo er findet, was er nicht weiß.” Georg Simmel (1858-1918)

    Der Artikel und die Webseite gefallen mir.
    Schöne Grüsse aus der Freidenker Galerie

    Rainer Ostendorf
    http://www.freidenker-galerie.de

  • Michael said:

    Dennoch tummeln sich die meisten Unternehmen in Social Networks weil es alle tun. Und wer es ganz richtig machen will, stellt einen Social Media Praktikanten ein ;) Danke für die Zusammenfassung.

  • Daniel Wessel said:

    Die gleichen Fragen kann man sich zum Social Media Einsatz von Organisationen stellen, die nach außen gehen. Zum Beispiel wenn die Organisationspräsenz auf Xing oder LinkedIn oder Facebook brach liegt. Ganz peinlich wird’s, wenn die automatischen Newsletters/Updates-eMails der Sites dann regelmäßig brav über die — ausbleibenden — Aktivitäten berichten. Da wurde dann einmal was eingetragen, was dann automatisiert zu einer dauerhaften vollautomatischen negativen Werbung nach außen wird …

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