5 Tipps von Learning Professionals, wie der Lerntransfer besser gelingt

In diesem Beitrag berichte ich von einer Veranstaltung der eLearning SUMMIT Tour in Ludwigsburg, an der ich teilgenommen habe. Die bereits zum dritten Mal vom eLearning Journal veranstaltete Reihe bietet eine ideale Plattform für Erfahrungsaustausch unter eLearning Professionals. Besonders gut hat mir die bunte Palette an Formaten gefallen: Best Practice Vorträge von verschiedenen Unternehmen, Speedgeeking, Knowledge Café sowie das Barcamp-FORUM.


Für alle LeserInnen, die mit dem Format des BarCamps noch nicht so vertraut sind: Ein BarCamp ist eine offene Tagung, deren Ablauf und Inhalte von den TeilnehmerInnen im Tagungsverlauf selbst entwickelt werden. Jeder darf Themen vorschlagen, die anschließend zur Wahl gestellt werden. Die TeilnehmerInnen entscheiden also selbst über die zu diskutierenden Themen. Anschließend können sich die TeilnehmerInnen für ein Thema entscheiden und sich in einer entsprechenden Gruppe einfinden. Innerhalb der Gruppe bietet das Thema anschließend die Grundlage für spannende Diskussionen und einen ergebnisoffenen Erfahrungsaustausch.

Ich habe ein Thema vorgeschlagen, das aus meiner Sicht noch immer recht „stiefmütterlich“ behandelt wird, was Weiterbildungsangebote angeht: Die aktive Gestaltung des Lerntransfers. Mit Lerntransfer ist hier das Übertragen des Gelernten aus der Lernsituation in die Anwendungssituation gemeint. Ein Großteil der Weiterbildungsangebote – egal, ob Präsenzseminare, eLearning Angebote oder auch Blended Learning Formate – endet mit Abschluss der Veranstaltung bzw. des Online-Kurses. Die TeilnehmerInnen kehren an ihren Arbeitsplatz zurück und stehen vor der Herausforderung, das Gelernte im Arbeitsalltag anzuwenden.

Im Barcamp-FORUM wurden verschiedene Lösungsansätze für diese Problematik intensiv diskutiert. Hier stelle ich Ihnen die Top Five Ansätze zur Optimierung des Lernstransfers vor:

1) Transfersicherung beginnt schon VOR der Maßnahme
Häufig beschränkt sich die Rolle der Führungskraft leider darauf, eine Weiterbildungsmaßnahme zu genehmigen. Dabei kommt der Führungskraft im gesamten Prozess des Lerntransfers eine wesentliche Rolle zu. Für einen späteren Transfer ist es grundlegend, dass Führungskraft und MitarbeiterIn bereits im Vorfeld konkrete Ziele vereinbaren. Dazu sollten sich beide ein bis zwei Wochen vor der Maßnahme zusammensetzen, um folgende Frage zu beantworten: In welchen Tätigkeiten, Situationen oder Problemfeldern soll eine Veränderung infolge der geplanten Weiterbildungsmaßnahme eintreten?

2) Die Führungskraft als Transfer-ManagerIn
Neben einem Vorbereitungsgespräch ist auch ein Nachbereitungsgespräch von großer Bedeutung. Da Lerntransfer nicht ein punktuelles Ereignis, sondern einen dynamischen Prozess darstellt, können sogar mehrere, in mehrwöchigem Abstand geführte Nachbereitungs- oder Transferbegleitgespräche zwischen Führungskraft und MitarbeiterIn sinnvoll sein. Dabei steht die gemeinsame Reflexion der Weiterbildungsmaßnahme im Vordergrund. Folgende Leitfragen können dabei hilfreich sein: Konnten die im Vorbereitungsgespräch vereinbarten Ziele erreicht werden? Was ist langfristig zur Sicherung des Gelernten im Arbeitsalltag notwendig? Wo wird Unterstützung benötigt?

3) Zeitliche Freiräume schaffen
Damit Lerntransfer gelingen kann, werden auf jeden Fall zeitliche Freiräume benötigt. Allzu oft werden die guten Vorsätze, die man eben noch im Seminar gefasst hat, Opfer von Tagesroutinen und Terminzwängen. Aus diesem Grund sollten Führungskraft und MitarbeiterIn im Nachbereitungsgespräch gemeinsam überlegen und schriftlich festhalten, welche Zeitfenster benötigt werden und wie diese sichergestellt werden können.

4) Elektronische Lernerinnerungen

Online-Tools bieten eine weitere Möglichkeit, die Lerntransferphase aktiv zu gestalten. Die TeilnehmerInnen bekommen im Anschluss an eine Veranstaltung (gesteuert durch den Trainer) per Email immer wieder elektronische Lernerinnerungen geschickt. Diese Lern-Impulse können Texte, Bilder, Videos oder auch kurze Aufgaben beinhalten. Selbstreflektierende Fragen helfen den TeilnehmerInnen, den Lerninhalt auf eigene Praxis-Situationen anzuwenden und damit einen dauerhaften Praxis-Transfer sicherzustellen. Lesen Sie hier mehr zur Begleitung des Lerntransfers mit Hilfe von Online-Tools.

5) Austausch in der Online Learning Community
Eine weitere Möglichkeit zur Optimierung des Lerntransfers bieten Online Learning Communities (Lesen Sie mehr zu Online Learning Communities in den wissensblitzen Nr. 18 und Nr. 26). Innerhalb solcher Communities haben die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, an Aufgaben gemeinsam weiter zu arbeiten, sich über Probleme und Lösungen beim Transfer auszutauschen oder auch einfach nur über die Weiterbildungsmaßnahme hinaus in Kontakt zu bleiben.

Fazit
Das Optimierungspotential zur aktiven Gestaltung der Lerntransferphase ist enorm. Die angeregte Diskussion unter den anwesenden Learning Professionals hat dies für mich einmal mehr unter Beweis gestellt. Eine „Hausaufgabe“, die ich Weiterbildungsverantwortlichen mit auf den Weg geben möchte: Die Führungskräfte brauchen Unterstützung in ihrer Rolle als Transfer-ManagerIn.

Nicole Behringer

Dr. Nicole Behringer ist bei Daimler Financial Services zuständig für die strategischen Themen im Bereich Global Sales Training. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen. In ihrer Doktorarbeit untersuchte sie motivationale Faktoren des Wissensaustauschs. Auf wissensdialoge.de schreibt sie vor allem über die Themen E-Learning, Enterprise 2.0, Wissensmanagement und Organisationsentwicklung.

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