Agilitätsbarometer 2017: Agilität fängt beim Menschen an

Die Digitalisierung hat das Thema „Transformation“ weit oben auf die Management-Agenda gepusht. Und Transformation setzt Agilität voraus – also die Fähigkeit, Chancen und Herausforderungen zu erkennen und zügig darauf zu reagieren. Doch wie agil sind Unternehmen in der DACH-Region überhaupt? Diese Fragen haben Promerit und Haufe in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Heiko Weckmüller der FOM Hochschule für Oekononmie & Management sowie dem Medienpartner Personalmagazin über 1.800 Mitarbeiter und rund 1.000 Führungskräfte in Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gestellt, um den aktuellen Stand sowie die Entwicklung von Agilität in Unternehmen zu untersuchen. Eine wesentliche Erkenntnis: „Unternehmen stehen sich selbst im Weg, weil sie noch zu sehr in Silos denken und ihre Mitarbeiter ausbremsen“.

Führungskräfte sind optimistisch, Mitarbeiter realistisch

Die befragten Führungskräfte zeigen sich jedenfalls selbstbewusst: Rund 70 Prozent halten ihr Unternehmen für agiler als ihre Wettbewerber. Allerdings sind deutlich weniger Mitarbeiter dieser Meinung (54 Prozent); diese wohl realistischere Bewertung ist entscheidend, weil Agilität von allen gelebt werden muss. Sie gibt auch einen Hinweis auf kritische Faktoren, die laut Befragung mit der Einschätzung der Agilität korrelieren – etwa Mitgestaltungsmöglichkeiten und Entscheidungsspielräume. Doch daran scheint es eben zu hapern.

Agile Methoden werden kaum genutzt

>Ebenfalls spannend ist: Die Einschätzung agiler als andere zu sein, kann nicht aus praktischen Erfahrungen mit agilen Methoden wie Scrum und Design Thinking resultieren. Denn 70 Prozent der Führungskräfte und satte 90 Prozent der Mitarbeiter nutzen nach eigenem Bekunden solche Methoden nie. Doch sowohl der niedrige Nutzungsgrad und der Fakt, dass Führungskräfte mit agilen Methoden mehr in Berührung kommen als ihre Mitarbeiter, geht an der Intention von Scrum & Co. vorbei – denn agile Methoden entfalten nur dann ihre volle Wirkung, wenn sie für alle zum Tagesgeschäft gehören

Mitarbeiter haben noch zu wenig Freiraum

Weg von Silos, hin zu agilen Projetteams und übergreifenden agilen Netzwerken – hier kommt es vor allem auf eins an: auf ein neues Verständnis von Führung. Und agil führen heißt koordinieren, moderieren und coachen. Doch dahin scheint es ein weiter Weg zu sein. Denn die Befragung zeigt: 46 Prozent der Mitarbeiter sehen sich noch klassisch-hierarchisch geführt, 30 Prozent partizipativ und nur 11 Prozent agil, also weitgehend hierarchiefrei.

Führungskräfte überschätzen ihre Führungsleistung

Ein Appell an die Führungskräfte, ihr Führungsverhalten zu ändern, würde jedoch auf Unverständnis stoßen: Ganze 80 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, ihre Mitarbeiter bereits ausreichend agil zu führen, also etwa ein offenes Umfeld zu fördern, Feedback einzuholen und Selbstorganisation zu begünstigen. Die Mitarbeiter schätzen die Lage deutlich kritischer ein – ihrer täglichen Erfahrung nach ist es mit agiler Führung nicht weit her.

Was können Unternehmen tun, um agiler zu werden? Anders gefragt: Warum will der Wandel oft nicht gelingen? Als Hauptgründe nennen 45 Prozent der Mitarbeiter organisatorische Hemmnisse wie ungeeignete Strukturen, Prozesse, Werte und kulturelle Faktoren und 34 Prozent verweisen auf die Menschen im Unternehmen, die den Wandel nicht mittragen. Nur 8 Prozent bemängeln, es fehle an geeigneten Tools.

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