Hohe Anforderungen, aber viele Möglichkeiten?!

Im Fall von hohen Anforderungen können Ressourcen bei der Arbeit dazu beitragen, dass Personen weiterhin motiviert sind, Neues zu lernen, Wissen auszutauschen und Aufgaben engagiert zu erledigen.

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Ob wir motiviert und leistungsstark an Aufgaben heran­gehen und bereit sind, bei der Arbeit Neues dazu zu lernen, wird mitunter durch Merkmale am Arbeits­platz bestimmt. Dabei werden zum einen Anforderun­gen an uns gestellt, die Motivation erfordern und Energie erschöp­fen können, zum anderen gibt es Ressourcen und Möglichkeiten am Arbeitsplatz, die motivierend wirken und die Leistungsbereitschaft fördern können.

Anforderungen vs. Ressourcen

Anforderungen umfassen Merkmale eines Arbeitsplatzes, die Energie kosten und potentielle Quellen für Stress darstellen. Beispiele für hohe Anforderungen sind häufige Kontakte zu anspruchsvollen Kunden, bei denen ein stets professionelles Auftreten erforderlich ist oder Arbeit, die unter erschwerten Randbedingungen erle­digt wird (z.B. unter Lärmbelastung oder einem Mangel an Arbeitsmaterialien). Den Anforderungen stehen Ressourcen gegen­über, die die Motivation sowie den (Wieder-) Aufbau von Energie und Leistungsbe­reit­schaft fördern. Ressourcen stellen z.B. Unterstützung durch andere und eine hohe Autonomie bei der Arbeit dar.

Auswirkungen auf Arbeit und Befinden

Anforderungen und Ressourcen können an jedem Arbeitsplatz individuell verschieden sein. Forschungser­geb­nisse bestätigen, dass ein hohes Maß an Anforde­rungen langfristig das eigene Befinden und die Arbeits­leistung vermindern kann, während Ressourcen bei der Arbeit Engagement und Leistung fördern und auch Einstellungen gegenüber der Arbeit positiv beeinflussen können. Dabei können vorhandene Ressourcen bei der Arbeit mögliche negative Auswirkungen von Anforde­rungen am Arbeitsplatz vermindern, d.h. als „Puffer“ für ein hohes Ausmaß an Arbeitsanforderungen wirken.

Anforderungen: Herausforderungen vs. Hindernisse

Obwohl Anforderungen Energie kosten, können diese auch positive Auswir­kungen haben. Unterschieden werden dabei solche Anforderungen, die Herausforde­rungen darstellen, sowie solche, die vielmehr als Hinder­nisse für die eigene Arbeit fungieren. Herausfor­de­rnde Anforderungen stellen z.B. die Übernahme von neuen Verantwortlichkeiten oder ein moderates Maß an Zeit­druck dar. Diese erfordern zwar Anstrengung, fördern aber auch die Weiterentwick­lung eigener Fähigkeiten und die Motivation, diese Herausforder­ungen zu meis­tern. Hingegen können Anforderungen, die vorwiegend Hindernisse darstellen, wie z.B. Konflikte und organi­satio­nale Beschrän­­kun­gen, Anstren­gung erfordern und zugleich die Motivation und Leistung senken.

Herausforderungen:

  • erfordern Anstrengung, können aber die Motivation und Leistung erhöhen
  • B. Rollenanforderungen, Zeitdruck, Aufgabenvielfalt

Hindernisse:

  • erfordern Anstrengung und senken die Motivation und Leistung
  • B. fehlende Materialien, Unklarheiten und Überlastung in der eigenen Rolle, Konflikte

Anforderungen bei der Arbeit können somit generell in Herausforderungen und Hindernisse unterteilt werden, allerdings spielt dabei auch die individuelle Wahrneh­mung einer Person eine wichtige Rolle. Dasselbe Ausmaß an Zeitdruck kann beispielsweise von Personen unterschiedlich wahrgenommen und so individuell eher als Herausforderung oder als Hindernis erlebt werden.

Fazit

Anforderungen (insbesondere Hindernisse) können negative Auswirkungen auf die Person und damit auch die Organisation haben. Dennoch können diese oftmals nur in gewissem Maße vermindert werden. Um die Motivation, die Leistungsbereitschaft und das Befinden von Personen zu unterstützen, ist die Bereit­stellung von Ressourcen und damit von ‘Möglichkeiten‘ bei der Arbeit (z.B. Handlung­sspiel­raum, Feedbackge­sprä­che und die Beteiligung an Entschei­dungen) bedeutsam.

Literatur:
Demerouti, E., Bakker, A. B., Nachreiner, F., & Schaufeli, W. B. (2001). The job demands-resources model of burnout. Journal of Applied Psychology, 86, 499-512.
LePine, J. A., Podsakoff, N. P., & LePine, M. A. (2005). A meta-analytic test of the challenge stressor-hindrance stressor framework: An explanation for inconsistent relationships among stressors and performance. Academy of Management Journal, 48, 764-775.

Bildnachweis: https://pixabay.com/de/jungfraujoch-gipfel-berg-massiv-594150/

Zitieren als: Scholl, A. (2011). Hohe Anforderungen, aber viele Möglichkeiten?! wissens.blitz (33). https://www.wissensdialoge.de/anforderungen_und_ressourcen


Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissenaustausch in Arbeitsteams.

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