Soziales Faulenzen in Teams: Warum sich manche auf Kosten anderer ausruhen

Wenn eine Gruppe von MitarbeiterInnen ein gemeinsames Ziel verfolgt, kann es passieren, dass sich nicht jeder mit dem gleichen Engagement beteiligt. Mögliche Ursachen dieses Verhaltens werden in diesem Beitrag vorgestellt und diskutiert.

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Wer kennt das nicht: Man bereitet gemeinsam mit KollegInnen einen Bericht an das Management vor oder verfolgt ein anderes gemeinsames Ziel, aber der ein oder andere Kollege hält sich vornehm zurück. Warum engagieren sich nicht alle in der gleichen Weise?

Erwartungs-Wert-Modelle beschreiben das Verhalten von Menschen resultierend aus den Erwartungen, mit einem Verhalten ein bestimmtes Ziel zu erreichen, und dem Wert, den dieses Ziel besitzt. Steven J. Karau und Kipling D. Williams (1993) haben diesen Ansatz auf das Engagement innerhalb von Gruppen übertragen und dabei folgende Faktoren identifiziert, die  Engagement in Gruppen mit einem gemeinsamen Ziel beeinflussen.

Der individuelle Beitrag

Wenn eine Gruppe von KollegInnen ein gemeinsames Ziel verfolgt, dann werden die dafür notwendigen Teilaufgaben häufig unter den KollegInnen verteilt. Während sich Frau Meier mit den Statistiken für den Bericht befasst, kümmert sich Herr Schmidt um die Darstellung der aktuellen Geschäfts­prozesse. Je nach dem wie sehr Frau Meier und Herr Schmidt davon überzeugt sind, die notwendigen Fähigkeiten zur Bewältigung ihrer Teilaufgaben zu besitzen, werden sie die Aufgaben mit mehr oder weniger Elan in Angriff nehmen. Sie fühlen sich der Aufgabe mehr oder weniger gewachsen, sich mehr oder weniger selbstwirksam.

Sind die Teilaufgaben nicht so klar verteilt, kann es passieren, dass einzelne KollegInnen das Gefühl haben, keinen wichtigen Beitrag für den Erfolg der Gruppe zu leisten bzw. leisten zu können. Das heißt sie empfinden ihren Beitrag als unwichtig und werden sich demzufolge weniger engagieren. Haben sie hingegen das Gefühl, dass der Erfolg der Gruppe ohne ihren Beitrag gefährdet ist, steigt ihre Motivation sich zu engagieren.

Kollektive Selbstwirksamkeit

Darüber hinaus spielen die Kompetenzen aller Beteiligten eine Rolle für das Engagement des Einzelnen. Hat Frau Meier nicht das Gefühl, dass das Team fähig ist, einen überzeugenden Bericht an das Management zu liefern, sieht sie den Erfolg der Gruppe gefährdet. Warum also soll sie ihre Energie in den Bericht stecken? Sie kann die Zeit besser nutzen, um ihre anderen Aufgaben überzeugend zu erledigen und sich so ihre Position im Unternehmen zu sichern.

Positive Konsequenzen der Zielerreichung

Eng mit dem Erfolg der ganzen Gruppe ist der individuelle Nutzen verbunden: Nur wenn die Gruppe ihr gemeinsames Ziel erreicht, resultieren auch für den Einzelnen positive Konsequenzen. Entsteht ein überzeugender Bericht, stehen sowohl Frau Meier als auch Herr Schmidt gut da und erhalten Anerkennung für ihre Arbeit.

Unter bestimmten Bedingungen kann es für den Einzelnen bereits Anreiz genug sein, das gemeinsame Ziel zu erreichen. Insbesondere wenn die Gruppe der Zusammenarbeitenden für den Einzelnen eine große Bedeutung hat (z.B. weil man viel zusammenarbeitet), ist es nicht unbedingt notwendig, dass der Einzelne direkt und individuell vom Erreichen des gemeinsamen Ziels profitiert. Dass die Gruppe gut da steht, steigert dann bereits den individuellen Selbstwert.

Fazit: Wenn es in einem Team hakt, fragen Sie sich, an welchen der beschriebenen Faktoren es liegen könnte. Dann können Sie mit der richtigen Intervention viel erreichen. Wenn Sie einem Team eine Aufgabe zuteilen, überlegen Sie im Vorfeld, welche Teilaufgaben anstehen, wen Sie für das Team auswählen und welche Anreize für die Beteiligten existieren. Nur wenn jedes Teammitglied motiviert das gemeinsame Ziel anstrebt, kann das Team als Ganzes funktionieren – werden alle notwendigen Teilaufgaben effektiv bewältigt und notwendige Informationen untereinander ausge-tauscht. Entscheidend sind also die Fähigkeiten und das Engagement aller Teammitglieder sowie deren Zusammenwirken. Oder kurz gesagt: Wenn der Einzelne gewinnt, gewinnt das ganze Team!

Wichtig ist,

… dass der Einzelne mit seinen Fähigkeiten zum Erfolg der Gruppe einen wichtigen Beitrag leisten kann.

… dass die Gruppe als Ganzes über die notwendigen Fähigkeiten verfügt, ihr gemeinsames Ziel erfolgreich zu erreichen.

… dass das Erreichen des gemeinsamen Ziels bedeutsame Konsequenzen für den Einzelnen hat.

Literaturnachweis: Karau, S. J., & Williams, K. D. (1993). Social loafing: A meta-analytic review and theoretical integration. Journal of Personality and Social Psychology, 65, 681-706.

Zitieren als: Wodzicki, K. (2011). Soziales Faulenzen in Teams: Warum sich manche auf Kosten anderer ausruhen wissens.blitz (14). https://www.wissensdialoge.de/cem_gruppenarbeit

 

 

 

Katrin Wodzicki

Momentan leitet sie den Bereich Personalentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte an der Universität Zürich. Anschließend forschte sie zu psychologischen und motivationalen Aspekten der computer-vermittelten Kommunikation und Kooperation am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über Social Media, Teaminteraktion und Arbeitsorganisation.

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