Employer Branding oder warum sollte ich genau in Ihrem Unternehmen arbeiten?

Employer Branding – ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Ich habe bereits vor fast einem Jahr hier einen Beitrag dazu geschrieben. Worum geht es? In Zeiten des Fach- und Führungskräftemangels sowie des demographischen Wandels wird es für Unternehmen vermehrt wichtig, sich als Arbeitgeber zu positionieren. Immer mehr Unternehmen bekommen Probleme, ihre Schlüsselpositionen zu besetzen oder spüren, in welchen Positionen es schwieriger wird, geeignete Nachfolger zu finden. Daher dreht sich das Kräfteverhältnis um. Unternehmen müssen sich stärker um potentielle Mitarbeiter bemühen und sich sozusagen bei den Kandidaten bewerben.

Dazu ist es wichtig, dass Unternehmen wissen, was sie als Arbeitgeber besonders macht im Vergleich zu ihren Wettbewerbern auf dem Arbeitsmarkt. Unser Mantra bei der Erarbeitung einer Arbeitgeberpositionierung ist klar: Erstens sollte die Arbeitgebermarke auf authentischen Stärken des Unternehmens basieren. Die Arbeitgebermarke ist eine Art Versprechen, das man Mitarbeitern gibt. Erfüllt man dies nicht, werden sich neue Mitarbeiter sehr schnell überlegen, ob sie weiter bei ihrem neuen Arbeitgeber beschäftigt sein möchten. Zweitens sollte die Arbeitgeberpositionierung relevant sein. Relevant im Sinne der kritischen Zielgruppen. Häufig werden im Personalmarketing Arbeitgebereigenschaften in den Vordergrund gestellt, welche die kritischen Zielgruppen nur wenig interessieren (z.B. wirbt ein Arbeitgeber mit sicheren Arbeitsplätzen, obwohl die kritische Zielgruppe stärker an Entwicklungsperspektiven und herausfordernden Tätigkeiten interessiert ist). Dies kann passieren, wenn sich Unternehmen nicht ausreichend mit ihren Zielgruppen beschäftigen und deren Präferenzen nicht wirklich kennen. Drittens ist der Wettbewerb wichtig: Eine Arbeitgeberpositionierung sollte besonders sein. Besonders heißt, dass die Positionierung jene Eigenschaften hervorhebt, die nicht auch von den Wettbewerbern bespielt werden. Zusammengefasst heißt das, dass sich Unternehmen darüber klar sein sollten, was sie als Arbeitgeber ausmacht, was sie ihren Mitarbeitern bieten können und welche Stärken und Schwächen sie haben. Eben genau das, was Unternehmen auch von Bewerbern erwarten und gerne in Vorstellungsgesprächen erfragen.

Also: Warum nicht auch in Vorstellungsgesprächen die klassischen Rollen tauschen?

Eine Standardfrage aus Vorstellungsgesprächen ist nach den Stärken und Schwächen des Bewerbers. Laut vieler Bewerbungsratgeber sollte man circa drei Stärken nennen und am besten mit illustren Beispielen belegen können. Warum nicht auch als Bewerber fragen, was die Stärken des Unternehmens als Arbeitgeber sind und in welchen Situationen sich dies im Alltag der Mitarbeiter zeigt? Eine „gute Unternehmenskultur“ oder „Teamwork“ kann in Unternehmen A beispielsweise ganz anders zum Ausdruck kommen als in Unternehmen B. Schlagwörter werden dadurch mit Leben gefüllt und Bewerber können sich eher vorstellen, wie es sich anfühlt, für das Unternehmen zu arbeiten. Darüber hinaus können Bewerber auch nach den Schwächen des Unternehmens fragen: Was sind denn die Optimierungsfelder und das Verbesserungspotenzial, welche das Unternehmen als Arbeitgeber hat? Und welche dieser Schwächen wurden schon in Angriff genommen?

Vorstellungsgespräche werden zukünftig vermehrt Gespräche auf Augenhöhe sein. Bewerber können ruhig mutiger werden. Mutiger in ihren Erwartungen an Unternehmen als Arbeitgeber. Denn letztendlich bleibt auch die bekannte Abschlussfrage: „Warum sollte ich als Bewerber genau in Ihrem Unternehmen arbeiten?“

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