E-Learning heute – Ein Interview mit Claudia Musekamp

MOOCs (Massive Open Online Courses) & Co haben die Möglichkeiten der Weiterbildung revolutioniert: Zeitunabhängiges Arbeiten, globale Partizipation, Gruppenarbeit und Selbststudium. Alles das ist möglich und gefragt im virtuellen Klassenzimmer. Welches Format welche Vorteile mit sich bringt und wie sicher gestellt werden kann, dass das Angebot generationsübergreifend wahrgenommen wird, erklärt Claudia Musekamp, infoport GmbH.

Was fällt unter den Begriff E-Learning?

Webinar, Online-Seminar, Virtuelles Klassenzimmer – Für E-Learning gibt es viele verschiedene Begriffe. Diese Begriffe werden jedoch nicht einheitlich verwendet.
Im Kern gibt es drei verschiedene Arten des Lernens via Internet:

Erstens, live in der Gruppe: Diese Form des E-Learning ähnelt am ehesten einem Seminar mit persönlicher Begegnung. In einer Live-Veranstaltung treffen sich an einem vereinbarten Termin Referenten und Seminarteilnehmer auf einer Online-Plattform. Live-Veranstaltungen dauern meist nur 1-2 Stunden. Die Teilnehmer können Fragen stellen, z.B. über den Chat.

Zweitens, in der Gruppe, aber zeitlich flexibler: Bei dieser Form des E-Learning lernen Sie auch mit anderen, z.B. in einem Online-Lehrgang. Den Referenten erreichen Sie per Mail oder über ein Forum, die Hausarbeiten bearbeiten Sie im Team. Der Unterschied zu Live: Referenten und Teilnehmer müssen nicht zur gleichen Zeit online auf der E-Learning-Plattform sein.

Drittens, flexibles Selbststudium. Vom Vokabeltrainer auf dem Handy über das Webbased Training bis hin zum interaktiven Lern-Game: Bei dieser Form lernt der Nutzer flexibel und unabhängig von anderen. Ein Referent oder Lehrer tritt nicht in Erscheinung. Alles, was der Lerner wissen muss, ist im Lernprogramm enthalten.

 

Sie arbeiten u. a. mit MOOCs (Massive Open Online Courses). Wie werden den Teilnehmern hier die Inhalte vermittelt? Welche Methoden gibt es?

Bei MOOCs gibt es verschiedene Ansätze. Für manche Themen werden Video-Vorlesungen mit Quiz zur Selbstevaluation verknüpft. Andere MOOCs setzen auf gemeinsame Projektarbeit. Das fachliche Know-how wird schrittweise im Rahmen eines Gesamtprojektes erarbeitet.

In einem MOOC, den ich als didaktische Beraterin begleitet habe, ging es beispielsweise um Konzepte gegen Landverödung. In internationalen Projektgruppen haben die Teilnehmer existierende Landnutzungen evaluiert und neue Nutzungsszenarios für ein Landgebiet ihrer Wahl erarbeitet.

 

E-Learning setzt technisches Know-How voraus. Wie können technisch weniger affine Generationen angesprochen werden?

Meist ist die technische Affinität  weniger eine Frage der Generationen, sondern der Bildung. Entsprechende Angebote müssen deshalb so entwickelt werden, dass sie mit einfachen Geräten (z.B. Tablet) arbeiten und entsprechend bedienerfreundlich gestaltet sind.

 

Wie hat sich E-Learning seit seiner Anfangszeit entwickelt? Worin sehen Sie die neuesten Entwicklungen?

Mein erstes E-Learning-Projekt 1995 war ein Schüleraustausch zwischen Schulen in Hamburg und Chicago – mit E-Mail! Seitdem hat sich vor allem das Internet nicht nur zu einer Informations-Plattform, sondern eben auch zu einem Fundus von Kooperationswerkzeugen entwickelt.

Die Entwicklung geht aus meiner Sicht in drei Richtungen: Erstens wird die Medienproduktion immer hochwertiger und Games und Simulation werden im E-Learning zunehmend eine größere Rolle spielen. Zweitens, das gemeinsame Lernen in Projekten wird immer wichtiger, gleichzeitig verschmelzen Arbeiten und Lernen immer mehr. Als dritte Entwicklung sehe ich, dass in Zukunft Präsenz- und Online-Lernen immer enger miteinander verzahnt werden.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Claudia MusekampClaudia Musekamp ist Geschäftsführerin der E-Learning Agentur Infoport GmbH in Berlin. Frühere Stationen ihrer beruflichen Laufbahn sind: AmerikaHaus Hamburg (United States Information Service), AFS Interkulturelle Begegnungen, Leiterin des USA-Programms der Körber-Stiftung, infoAsset AG, Multimedia Kontor Hamburg, scoyo GmbH (Bertelsmann AG). Claudia Musekamp hat Politikwissenschaften in Münster, Bonn und Pittsburgh,USA studiert. Mit Dr. Daniel Staemmler ist sie Herausgeberin und Autorin des Buches Webinare für Einsteiger sowie des  preisgekrönten Papers The Open University of Europe.

Anja Braehmer

Anja Braehmer studiert an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen Empirische Kulturwissenschaft (MA). Sie arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft am Leibniz-Institut für Wissensmedien und unterstützt den Redaktionskreis der wissens.werker seit September 2013.

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