Flexibler Fahrplan zum Erfolg – Mit Erfahrung und Theorie Workshops gestalten

Seit 3 Jahren gestalte ich Workshops zu verschiedenen karriere-relevanten Themen. Dabei baue ich eine Brücke zwischen Theorie und Praxis – tue also das, was wir hier auf dem Blog gerne anregen wollen. Was fällt mir dabei auf?

Psychologische Theorien beeinflussen mich dabei – ohne Frage. Ich nutze sie teilweise aktiv und stelle Theorien oder Forschungsergebnisse vor, um bestimmte Anregungen zu begründen und das Handeln der Teilnehmenden zu motivieren.
Mehrheitlich fließt das theoretische Wissen jedoch unbewusst in mein Handeln ein: Ich habe es bereits so verinnerlicht, dass mir oft nur durch Reflektion und Fragen von KollegInnen klar wird, dass ein bestimmtes Agieren von mir oder die Gestaltung einer Workshopeinheit durchaus auf meinem theoretischen Wissen beruht.

Längst hat sich mein theoretisches Wissen mit meiner praktischen Erfahrung vermischt, die Erfahrung aus der Perspektive einer Teilnehmerin an Seminaren während des Studium und Workshops während meiner wissenschaftlichen Tätigkeit. Im Laufe der Zeit bin ich dabei sehr vielen Lehrenden und TrainerInnen begegnet, habe viele Methoden kennengelernt, habe am eigenen Leib erfahren, was für mich funktioniert und was nicht. Gleichzeitig habe ich begonnen, selbst als Lehrende und Trainerin erst Erfahrungen zu sammeln.

Inzwischen ist es schwer, die Theorie von der Praxis zu trennen. Theorien fließen in konkrete Ideen zur Gestaltung von Workshops ein. So ist mir es ein besonderes Anliegen, die Eigenverantwortung der Teilnehmenden zu stärken. Dafür müssen alle Teilnehmenden gefordert und „in die Verantwortung“ genommen werden. Das tue ich einerseits dadurch, dass ich Workshopregeln aushänge und anspreche, die diese Eigenverantwortung thematisieren. Andererseits eröffne ich Räume für eigenverantwortliches Handeln beispielsweise in Kleingruppenarbeiten, in denen eigene Fragen oder Fälle diskutiert und bearbeitet werden. Es geht mir dabei sowohl um ein eigenverantwortliches Handeln im Workshop als auch darüber hinaus bei der Anwendung im Handeln nach dem Workshop.

Theorien sind jedoch nicht eins zu eins übersetzbar, weil sie in der Regel einen eingeschränkten Geltungsbereich haben und nicht alle möglichen Einflussfaktoren einer spezifischen Situation einbeziehen. Das merkt man besonders, wenn man den gleichen Workshop wiederholt mit unterschiedlichen Gruppen. Keine Gruppe ist gleich und so reagiert jede Gruppe etwas anders auf das gleiche Workshopprogramm. Eine wichtige Rolle spielt das Vorwissen und die Vorerfahrung der Teilnehmenden – so muss es Raum für die jeweiligen Bedürfnisse geben. Ich nutze, wenn es mir sinnvoll erscheint, die Kommunikation mit Teilnehmenden im Vorfeld des Workshops, um vorbereitende Informationen einzuholen. Wichtig ist hierbei, dass die eingeholten Informationen wirklich eine Bedeutung für die Gestaltung des Workshops haben. Erwartungsabfragen beispielsweise können frustrierende Effekte haben, wenn die Erwartungen schließlich nicht durch den Workshop erfüllt werden. Außerdem plane ich großzügig zeitliche Puffer in den Workshopablauf ein, um aufkommende Themen bearbeiten zu können. Für gegebenenfalls anstehende Umplanungen nutze ich die Kaffeepausen, in denen ich den bisherigen Verlauf reflektiere.

Zusätzlich ist es wichtig, die Stimmungen und Dynamiken in der Gruppe zu berücksichtigen. Es kann vorkommen, dass einzelne Teilnehmende mit ihren Fragen und Themen die Gruppe zu dominieren versuchen. Hier hilft es, aufkommende Themen erst mal zu sammeln, dann mit der gesamten Gruppe zu priorisieren, bevor man dann ausgewählte Themen bearbeitet. Schwieriger empfinde ich den Umgang mit auf das Thema bezogen diversen Gruppen: Sind Wissensstand, Fragen und die Situation der einzelnen Teilnehmenden zu unterschiedlich, kann man einen Workshop nur schwer zufriedenstellend für alle gestalten. Deshalb versuche ich im Vorfeld von Workshops die Zielgruppe klar zu definieren. Hierfür kann es abhängig vom Thema sinnvoll sein, eine Diversität der Teilnehmenden in bestimmten Faktoren zu haben oder gar bewusst zu forcieren. Nehmen wir das Beispiel Führung: Hier erscheint es mir sinnvoll, dass alle Teilnehmenden ein bestimmtes Erfahrungslevel mit Führung haben, also beispielsweise gerade ihre ersten Erfahrungen als Führungskraft sammeln. Dass sie jedoch aus sehr unterschiedlichen Arbeitsbereichen oder gar unterschiedlichen Organisationen stammen, kann die Diskussion bereichern, da sie dann Erfahrungen als Mitarbeitende sehr unterschiedlicher Führungskräfte und Führungsstrukturen mitbringen. Bezogen auf das Ziel eines Workshops lohnt es sich im Vorfeld zu überlegen, welche Eigenschaften der Teilnehmenden eine Rolle spielen können und wie man sich diese für die Zusammensetzung der Workshopgruppe zu Nutze machen kann.

Weniger beeinflussbar sind hinzukommende Einflüsse der eigenen Tagesform oder des Wetters. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine Gruppe bei Sonnenschein ein anderes Energielevel hat als bei grauem, regnerischem Wetter. Das Beispiel zeigt jedoch, dass die Umgebung eine Rolle spielt. Das heißt, man sollte sich auch überlegen, wie man den Workshopraum gestaltet. Stellt man fest, dass die Interaktion nicht rund läuft, aus welchen Gründen auch immer, hilft mit unter eine zusätzliche Pause. Ebenso kann man das Tempo anpassen und das Programm gegebenenfalls abspecken. Dabei kann man auch die Gruppe in die Entscheidung einbeziehen, in dem man fragt, was sie gerade brauchen oder wo sie gerade „hängen“. Wenn ich will, dass die Workshopziele meiner Workshops erreicht werden, kann ich also ein geplantes Programm nicht einfach durchziehen. Grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr! Wenige bleibende Impulse und anwendbare Erkenntnisse sind wichtiger, als die Abbildung eines Themas in seiner Gänze.

Die Basis für eine solche Anpassungsfähigkeit bilden psychologische Theorien ebenso wie praktische Erfahrung. Selbst ein Experte für psychologische Theorien des Lernens ist nicht von heute auf morgen ein guter Trainer. Bloß weil er weiß, wie Wissen erworben wird und welche Faktoren darauf Einfluss nehmen, kann er Inhalte noch nicht entsprechend aufbereiten und an unterschiedliche Zielgruppen anpassen. Selbst wenn er dies könnte, kommen Gruppendynamiken und weitere Einflussfaktoren hinzu. Eine erfahrene Trainerin hat im Laufe der Jahre von theoretischen Impulsen profitiert und profitiert von diesen auch noch nach langjähriger Erfahrung – schließlich gibt es immer wieder neue Erkenntnisse in der Forschung.

Genau deshalb finde ich den Dialog zwischen ForscherInnen und PraktikerInnen so wichtig: Theorien bekommen ihren praktischen Wert erst durch ihre Anwendung. In der Praxis ergeben sich wiederum neue Fragestellungen, zu deren Beantwortung Wissenschaft einen wichtigen Beitrag liefern kann. Und so können sie sich wechselseitig befruchten.

Katrin Wodzicki

Momentan leitet sie den Bereich Personalentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte an der Universität Zürich. Anschließend forschte sie zu psychologischen und motivationalen Aspekten der computer-vermittelten Kommunikation und Kooperation am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über Social Media, Teaminteraktion und Arbeitsorganisation.

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