Deine Gruppe = Meine Gruppe: Eigengruppenfavorisierung überwinden

Die Bevorzugung des eigenen Teams gegenüber anderen Teams kann innerhalb von Organisationen zu Problemen führen. Die Hauptursache der Eigengruppenfavorisierung ist gleichzeitig der Ausgangspunkt für Lösungsansätze.

Download: wissens.blitz (22)

Das Problem

MitarbeiterInnen neigen dazu, Teams, zu denen sie gehören, positiver wahrzunehmen und sie gegenüber anderen Teams zu bevorteilen (mehr Informationen hierzu finden Sie in wissens.blitz (2)). Das Scheitern von Kooperationen zwischen Teams und das Vorenthalten von Informationen können so das Erreichen organisationaler Ziele verhindern.

Die Ursache bietet Lösungsansätze

Eine Hauptursache für die Bevorzugung eines Teams ist die Zugehörigkeit zu diesem Team. Wird Herr Müller dem Team “Buchhaltung” zugeordnet, erlangt dieses Team eine psychologische Bedeutsamkeit für ihn. Seine soziale Identität als Buchhalter wird hervorgehoben. Wenn das Team “Buchhaltung” positiv wahrgenommen wird, fühlt sich auch Herr Müller positiv wahrgenommen. Herr Müller wird alles tun, um seinem Team einen Vorteil zu verschaffen, damit die positive Wahrnehmung des Teams erhalten bleibt – auch wenn dies auf Kosten anderer Teams geschieht.

Die Zuordnung zu Teams lässt sich in großen Organisationen nicht vermeiden. Jedoch bietet die Wahrnehmung der Einteilung in Teams einen Ausgangspunkt für Interventionen. Die Wahrnehmung lässt sich durch (1) Personalisierung der Teammitglieder oder (2) Betonung übergeordneter Gruppenmitglied-schaften verändern. Eine weitere Intervention ist es, (3) den wechselseitigen Nutzen von Teams für einander zu betonen.

Personalisierung

Durch die Betonung persönlicher Identitäten von MitarbeiterInnen innerhalb von Organisationen verliert die Teammitgliedschaft an Bedeutung. Herr Müller ist Betriebswirt und beschäftigt sich dadurch mit anderen Themen innerhalb der Buchhaltung als Frau Schmid, die Juristin im Team. Darüber hinaus ist der interpersonale Kontakt zwischen MitarbeiterInnen unterschiedlicher Teams wichtig. Informelle Veranstaltungen bieten dafür einen guten Rahmen.

Personalisierung durch …

…      Sichtbar machen von individuellen Expertisen, z.B. in Mitarbeitersteckbriefen

…      Aufgaben, die den individuellen Beitrag eines Mitarbeiters deutlich werden lassen

…      Informelle Aktivitäten, die gegenseitiges Kennenlernen fördern, z.B. Betriebsfeste

Betonung übergeordneter Gruppenmitgliedschaften

Ebenso kann die Zugehörigkeit der MitarbeiterInnen zur Gesamtorganisation betont werden. Dadurch steht die organisationale Identität der MitarbeiterInnen stärker im Fokus und organisationale Ziele werden bedeutsamer.

Betonung übergeordneter Gruppenmitglied-schaften durch …

…      Organisationale Ziele in den Vordergrund stellen.

…      Betonung der Bedeutung von Teams für die Erreichung organisationaler Ziele.

…      Erhöhung der Identifikation mit der Organisa-tion durch Steigerung ihrer Attraktivität.

Betonung wechselseitigen Nutzens

Wenn Organisationen sehr groß sind, ist interpersonaler Kontakt mit vielen MitarbeiterInnen schwierig. Auch die Bedeutung der Gesamtorganisation für den Einzelnen wird weniger greifbar. Dann ist die Betonung des wechselseitigen Nutzens von Teams für einander eine wirksame Lösung.

Fazit: Die vorgestellten Maßnahmen sind deshalb erfolgreich, weil sie die strikte Unterteilung in Teams aufbrechen. So vermeiden Sie ein gegenseitiges Ausbooten und Zurückhalten von Informationen zwischen Teams auf Kosten der Gesamtorganisation.

 

Literaturnachweis: Otten, S., & Matschke, C. (2008). Dekategorisierung, Rekategorisierung und das Modell wechselseitiger Differenzierung. In L.-E. Petersen, & B. Six (Eds.), Stereotype, Vorurteile und soziale Diskriminierung: Theorien, Befunde und Interventionen (pp. 292-300). Weinheim: Beltz.

Zitieren als: Wodzicki, K. (2011). Deine Gruppe = Meine Gruppe: Eigengruppenfavorisierung überwinden. wissens.blitz (22). https://www.wissensdialoge.de/gegen_eigengruppenfavorisierung

Katrin Wodzicki

Momentan leitet sie den Bereich Personalentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte an der Universität Zürich. Anschließend forschte sie zu psychologischen und motivationalen Aspekten der computer-vermittelten Kommunikation und Kooperation am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über Social Media, Teaminteraktion und Arbeitsorganisation.

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