Gemeinsam sind wir stark

Teammitglieder tauschen besonders dann ihr Wissen untereinander aus und unterstützen sich gegenseitig, wenn sie gemeinsame Ziele verfolgen und dabei wenig Konkurrenz untereinander herrscht. Hier erfahren Sie, warum dies so ist und wie sich Kooperation im Team fördern lässt.

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Viele Aufgaben werden heute von Teams gelöst, in denen Personen mit unter­schiedlicher Expertise ihr Wissen kombinieren, um eine hohe Leistung zu zeigen. Dabei sind Teammitglieder mitunter vonei­nander abhängig. Zum Beispiel tauschen Mitarbei­tende im Flugverkehr Informationen mit anderen aus, Mitglie­der eines Orchesters koordinie­ren sich untereinander, oder Mitar­beitende in Produk­tionsteams arbeiten zusammen, um Aufga­ben zu erledigen. Die Zusam­men­arbeit kann dabei durch Kooperation (d.h. eine gegenseitige Unterstützung) oder Konkurrenz geprägt sein.

Gegenseitige Abhängigkeit im Team

Es lassen sich folgende Formen gegenseitiger Abhän­gigkeit (Inter­dependenz) im Team unterschieden:

Positive Interdependenz:

  • eigene Ziele lassen sich nur dann erreichen, wenn die anderen ebenfalls ihr Ziel erreichen
  • h. durch gemeinsame Anstrengung können die Ziele jedes Teammitglieds erreicht werden

Negative Interdependenz:

  • eigene Ziele lassen sich nur auf Kosten der Ziele anderer erreichen
  • h. Teammitglieder stehen in Konkurrenz zueinander und (denken sie) erreichen ihre Ziele dann, wenn andere diese nicht erreichen

Keine Interdependenz:

  • jede/r kann seine/ihre Ziele unabhängig von den anderen erreichen
  • h. Zusammenarbeit ist zu zeitaufwendig oder eine Aufgabenteilung unmöglich

Dabei ist besonders positive Interdependenz mit hoher Leistung(-sbereitschaft) im Team assoziiert.

Warum positive Interdependenz wichtig ist

Eine positive Interdependenz fördert die Koope­ration innerhalb eines Teams. Teammitglieder sind eher bereit, sich bei ihrer Arbeit anzustrengen und sie verwenden häufig effektivere Strategien, da sie länger nach Lösun­gen für Aufgaben suchen und dabei weniger auf den Vergleich ihres Verhaltens mit dem anderer Teammit­glieder fokussieren. Wissen wird vermehrt untereinan­der ausgetauscht. Zudem unterstützen sich Perso­nen stärker untereinander, behandeln sich mit mehr Respekt und entwickeln positivere Arbeitsbezie­hungen im Team. Dies kann sich förderlich auf die psychische Gesundheit der Teammitglieder auswirken und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken, indem Personen eine Wertschätzung ihrer Kompetenzen im Team erfahren. All diese Effekte können zur Teamleis­tung beitragen.

Wie lässt sich positive Interdependenz fördern?

Um im Team ein Klima positiver Interdependenz zu schaffen, reicht oft nicht nur die (formale) Zugehörig­keit zu einem Team aus. Dazu ist es vor allem notwen­dig, Aufgaben und gemeinsame Ziele so zu gestalten, dass der Beitrag jeder mitarbeitenden Person bedeut­sam ist, Teammitglieder ihren Teil zur Aufgabe auch beitragen können und ggf. Teilaufgaben klar aufgeteilt werden. Eine weitere Bedingung für Kooperation sind soziale Fertig­keiten der Teammitglieder und die individuellen Ziele, die einzelne Personen verfolgen und mehr oder weniger mit gemeinsamen Zielen vereinbar sind. Zudem ist die Entwicklung gemeinsamer Strategien, z.B. wie Wissen untereinander ausgetauscht wird, eine Voraussetzung für erfolgreiche Zusam­men­arbeit.

Aufgaben kooperativ gestalten:

  • B. klare Aufgabenteilung und Vergabe individueller Verantwortlichkeiten

Soziale Fertigkeiten unterstützen:

  • B. über Trainings und individuelles Feedback durch TeamleiterInnen

Lernziele bei Teammitgliedern fördern:

  • B. Förderung des individuellen Ziels, etwas dazu zu lernen und sich selbst zu verbessern (anstatt besser als andere abzuschneiden)

Strategien im Team entwickeln:

  • B. regelmäßige Reflexion über gemeinsame Strategien, um Zusammenarbeit zu verbessern

Fazit: Positive Interdependenz fördern?!

Wenn Ziele nur durch gemeinsame Anstrengung erreicht werden können, fördert dies Kooperation und Teamleistung. Es gibt allerdings auch Situationen, in denen keine positive Interde­pendenz geschaffen werden kann oder sollte, z.B. wenn um eine Stelle oder Aufgabe konkurriert wird, bei der tatsächlich nur eine Person Erfolg haben kann. In solchen Fällen lässt sich eine möglichst konstruktive Konkurrenz unterstützen, indem allen Beteiligten eine gewisse Gewinnchance eingeräumt wird und klare, faire Prozesse und Erfolgskriterien festgelegt werden.

Literaturnachweis:
Johnson, D. W. (2003). Social interdependence: Interrelationships among theory, research, and practice. American Psychologist, 58, 934-945.

Zitieren als: Scholl, A. (2011). Gemeinsam sind wir stark. wissens.blitz (41). https://www.wissensdialoge.de/gemeinsam_sind_wir_stark

Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissenaustausch in Arbeitsteams.

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