Es kommt auf den Ton an: Mit der richtigen Musik fühlen wir uns einflussreicher

Auf dem Weg zur Arbeit, im Feierabendverkehr, während der Erledigung „lästiger“ Routineaufgaben am Computer oder kurz zur Entspannung vor einem wichtigen Meeting: diese Zeiten verbringen wir zunehmend damit, Musik im Hintergrund zu hören. Das entspannt, lenkt ab und macht gute Laune. Können die Lieder, die wir dabei hören, auch unsere Denkmuster und unser Entscheidungsverhalten bei Arbeitsaufgaben beeinflussen? Und wenn ja, durch welche Musik fühlen wir uns besonders einflussreich?

Musik hat einen Einfluss auf unser Befinden und Verhalten, so kann sie beispielsweise die Sorge vor anstehenden Ereignissen vermindern und gute Stimmung fördern. In einer Reihe von Studien gingen Dennis Y. Hsu und Kollegen (2014) nun der Frage nach: Können die Songs, die wir gerade hören, unser Gefühl von Macht und Einfluss – und damit auch unsere Fähigkeit zu abstraktem Denken und unser Entscheidungsverhalten bei gemeinsamen Aufgaben – beeinflussen?

Sie nahmen an, dass bestimmte Lieder ein stärkeres Gefühl, Macht und Einfluss zu haben, auslösen als andere – möglicherweise in Abhängigkeit vom Basslevel. Dazu testeten sie 31 Lieder aus unterschiedlichen Genres (z.B. Hip Hop, Punk, Rock, oder Reggae) und ließen die ZuhörerInnen anschließend bewerten, wie einflussreich, entscheidungsfreudig und dominant sie sich fühlten. Aus dieser Vorstudie verwendeten sie die drei Songs weiter, die jeweils das stärkste bzw. geringste Gefühl von Macht und Einfluss bei den Zuhörern auslösten – das waren in ihren Studien z.B. We Will Rock You (Queen) bzw. Because We Can (Fatboy Slim). Sie ließen dann einige Teilnehmende eine Reihe von Aufgaben lösen, die z.B. ihre Fähigkeit zu abstraktem Denken, das Gefühl, Ergebnisse beeinflussen zu können, und die Handlungsbereitschaft erfassten – während bzw. nachdem entweder die „machtvollen“ oder die „weniger machtvollen“ Lieder gespielt wurden. Das Denken und Handeln der Teilnehmenden passte sich dabei gewissermaßen an die Lieder an – sie zeigten z.B. ein stärkeres abstraktes Denken (sahen z.B. eher das „große Ganze“ als die Details) und waren schneller bereit die Initiative zu ergreifen, wenn sie die „machtvollen“ Lieder hörten.

Diese Ergebnisse wurden nicht durch positive Stimmung in Verbindung mit den Songs ausgelöst und sie waren auch unabhängig vom Liedtext und Genre. Es kommt dabei also offenbar nicht auf den Text an, den wir hören – ob nun z.B. gerade „I got the power(snap) oder ein anderes Lied gespielt wird. Vielmehr zeigte sich, dass es eine Rolle spielt, wie tief der Bass eingestellt ist, mit dem wir einen Song hören: Ein tiefer, stärkerer Bass löste (selbst bei ein- und demselben Lied) ein höheres Gefühl von Macht aus als ein gering eingestellter Bass. Die Forscher gehen davon aus, dass dieser Befund dadurch zu erklären ist, dass wir tiefere Töne – ob in der Sprache oder Musik – als Zeichen für höhere Macht werten: Wenn eine Person mit einer tiefen (statt hohen) Stimme spricht, schätzen wir sie, u.a. aufgrund unserer Erfahrungen mit Machtinhabern, beispielsweise als einflussreicher ein; und wenn wir selbst mit tiefer (statt hoher) Stimme vortragen, fühlen wir uns in der Situation auch einflussreicher (siehe Stel und Kollegen, 2012). Ähnliches könnte für Musik gelten: mit einem tiefen Bass scheinen wir mehr Einflussmöglichkeit zu verbinden und uns damit selbst einflussreicher zu fühlen.

Was heißt das nun, wenn wir vor einer Teambesprechung noch nebenher Musik hören oder aber auf dem Weg zur Arbeit das Radio einschalten? Die Art der Lieder und insbesondere das eingestellte Basslevel können, zumindest kurzzeitig, unsere Wahrnehmung von Macht und Einfluss steigern bzw. senken – was uns bei manchen Entscheidungen, einigen Gesprächen mit KollegInnen und dem Chef oder der ein- oder anderen Routineaufgabe vielleicht nützlich sein kann.

Literatur

Hsu, D.Y., Huang, L., Nordgren, L.F., Rucker, D.D., & Galinsky, A.D. (2014). The music of power: Perceptual and behavioral consequences of powerful music. Social Psychological and Personality Science, 1-9. doi: 10.1177/1948550614542345
Stel, M., van Dijk, E., Smith, P. K., van Dijk, W. W., & Djalal, F. M. (2012). Lowering the pitch of your voice makes you feel more powerful and think more abstractly. Social Psychological and Personality Science, 3, 497–502. doi: 10.1177/1948550611427610

Die in den Studien verwendeten Songs und Basslevels:

„Machtvoll“: We Will Rock You (Queen); Get Ready for This (2 Unlimited); In Da Club (50 Cent)
„Weniger machtvoll“: Because We Can (Fatboy Slim); Who Let the Dogs Out (Baha Men); Big Poppa (Notorious B.I.G.)
„Hohes Basslevel“: +15dB; „niedriges Basslevel“: -15dB

Bildnachweis: https://pixabay.com/de/musiker-trompete-metall-schneemann-623362/

 

 

Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissensaustausch in Arbeitsteams.

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