New Work braucht New Leadership

Mit dem Begriff Leadership 4.0 beziehe ich mich auf die Frage, welche Kompetenzen Führungskräfte im Blick auf die Digitalisierung benötigen. Dahinter steht die Überzeugung, dass in einer digitalen Welt klassische Führungsinstrumente teilweise wirkungslos bleiben. New Work braucht auch New Leadership. In diesem Beitrage gehe ich auf drei Aspekte ein, die sich verändert haben und weiter verändern werden und auf die Führungskräfte reagieren müssen.

Mobile Geräte sind immer und überall verfügbar.

Die Verfügbarkeit von mobilen Geräten wie Handys und Tablets, aber auch immer kleinere Laptops sowie wie Wearables (z.B. Smartwatches) ermöglicht Kommunikation zu jeder Zeit und von überall aus. Das vereinfacht die Kommunikation, und gibt Mitarbeitenden und Führungskräften die Freiheit, Arbeitszeiten und Arbeitsorte individueller zu gestalten. Ubiquitous Working, also das Arbeiten von überall aus, kann aber auch negative Auswirkungen haben, z.B. wenn nicht mehr genügend arbeitsfreie Erholungszeiten eingeplant werden oder der Zwang, ständig erreichbar zu sein zu einer Belastung wird. Außerdem kann die fehlende Passung von Arbeitsumgebung (z.B. Wohnzimmer oder Park) und Arbeitsaufgabe die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen (vgl. Burmeister, Moskaliuk & Cress, 2018).

Das bedeutet für Führungskräfte: Fehlen feste Arbeitsplätze und Arbeitszeiten an denen Mitarbeitende erreichbar sind, müssen die Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Zusammenarbeit expliziter definiert werden im Blick auf die Erreichbarkeit, auf den Austausch von Informationen im Team und das Treffen von Absprachen. Davon ist auch die Beurteilung von Leistung betroffen: Die Zeit, die ein Mitarbeiter am Arbeitsplatz anwesend ist, sagt nur noch teilweise etwas über dessen Leistung aus. Zudem müssen Kommunikationsnormen (z.B. die offene Tür als Hinweis „Ich bin da und habe Zeit“) und Möglichkeiten für informellen Austausch (z.B. an der Kaffeemaschine) sich teilweise neu etablieren oder gezielter gesteuert werden.

New Leadership muss die Kommunikation mit digitalen Medien steuern und gestalten.

Wissen wird demokratisiert.

Im Netz sind Wissen und Informationen beinahe unbegrenzt verfügbar. Die notwendige Medienkompetenz vorausgesetzt, lassen sich zu allen Themen und Fragestellungen eine Vielzahl von Antworten und Lösungen finden. Dabei beteiligen sich Individuen an der gemeinsamen Weiterentwicklung von Wissen und profitieren gleichzeitig von der großen Menge an weltweit verfügbarem Wissen. Diese Weisheit der Massen macht z. B. die umfangreiche und qualitativ hochwertige Online-Enzyklopädie Wikipedia möglich. Lernen ist damit selbstgesteuert und problemorientiert möglich.

Das bedeutet für Führungskräfte: Die Anforderungen und Möglichkeiten der Personalentwicklung verändern sich. Klassische Seminare, in den „Lernen auf Vorrat“ und die Vermittlung von Wissen im Vordergrund stehen, passen nicht mehr zu einer VUCA-World. Stattdessen müssen Formate etabliert werden, die den ständigen Austausch von Erfahrungen fördern, Wissensressourcen im Unternehmen identifizieren und nutzbar machen, notwendige Kompetenzen genau dann trainieren, wenn sie für eine aktuelle Arbeitsaufgabe benötigt werden. Darüber hinaus muss sich auch die Kommunikation innerhalb eines Unternehmens an die Netzkultur anpassen, in der immer mehr Mitarbeitende sozialisiert sind.

New Leadership muss transparent und dialogorientiert kommunizieren, statt nur Informationen hierarchisch von oben nach unten weiterzugeben.

Es entstehen weltweite Netzwerke.

Im Netz entstehen übergreifende soziale Netzwerke, die nicht mehr nur lokal bedeutsam sind, z.B. innerhalb eines Unternehmens sondern über dessen Grenzen hinaus den Austausch von Informationen, Wissen und Erfahrungen ermöglichen. Die Art und Weise, wie Mitarbeitenden im Privaten z.B. über Facebook auch lose Kontakte pflegen, beeinflusst auch die berufsbezogene Kommunikation: Es fällt leicht, Kontakt zu ehemalige KollegInnen, StudienfreundInnen und KundInnen zu halten, sich gegenseitig über Veränderungen (z.B. Job-Wechsel), aktuelle Projekte oder Themen zu informieren. Das persönliche Netzwerk wird zu einer wichtigen Ressource, die selbstverständlich für die eigene Arbeit genutzt wird.

Das bedeutet für Führungskräfte: Insbesondere im Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, nicht nur im Informationssektor, sondern auch in den Bereichen Dienstleistung und Produktion, ist die Nutzung des Netzes z.B. für Werbung und PR, interne und externe Kommunikation, nutzerzentrierte Produktentwicklung oder Support deshalb zentral. Nach außen geschlossene Netzwerke sind nur noch eingeschränkt tragfähig, der schnelle und direkte Austausch mit anderen wird erfolgsentscheidend. Mitarbeitende müssen dabei unterstützt werden, ihre persönlichen Netzwerke zu pflegen und zu nutzen, und der Widerspruch zwischen dem berechtigen Interesse eines Unternehmens nach Geheimhaltung z.B. aktueller Strategien oder Produktentwicklungen einerseits und der Chance, durch die Kommunikation nach außen neue Impulse und Ideen zu erhalten anderseits diskutiert und gelöst werden.

New Leadership muss interne und externe Netzwerke pflegen und fördern, damit eine Organisation langfristig überlebensfähig bleibt.

Improvement Kata: Eine Methode für New Leadership

Was bedeutet New Leadership konkret? Zunächst geht es darum, die eigene Rolle als Führungskraft in einer digitalen Welt zu verstehen, zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Führungskräfte sind in einer VUCA-World keine Chefs mehr, die sagen können, wo es lang geht. Sie inspirieren, beraten, unterstützen, coachen, moderieren … Im nächsten Schritt geht es darum, Führungsinstrumente und -methoden zu entwickeln, die zu dieser neuen Führungsrolle passen. Ein Beispiel ist dieImprovement Kata, die als eine Methode des Lean Managements bei Toyota entwickelt wurde. Eine Beschreibung der Vorgehensweise finden Sie auf leadership365.de. Die Improvement Kata (Rother, 2013) ist eine Coaching-Methode, die auf die ständige Weiterentwicklung und Verbesserung hinzielt. Die eigentliche Kata ist eine vom Inhalt unabhängige Routine, die durch ständigen Anwenden die Mitarbeitenden dabei unterstützt, auf Unsicherheiten, Probleme, Schwierigkeiten und Veränderungen produktiv und kreativ zu reagieren – ein Coaching-Tool für New Leadership. Die Improvement Kata gibt es auch als Alexa-Skill. Probieren Sie’s doch mal aus! 

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Essential Beratung für gelingende Leadership 4.0. Springer Essentials heißt die Reihe im Springer Verlag, bei denen in einzelnen Bänden auf wenigen Seiten Inhalte zu einem Thema kurz und kompakt zusammengefasst werden – fundiert und relevant für die Praxis. Auf knapp 60 Seiten habe ich wesentliche Ideen zum Konzept Leadership 4.o beschrieben und eingeordnet und konkrete Beratungs- und Coaching-Tools vorgestellt, die direkt einsetzbar sind.

Johannes Moskaliuk

Prof. Dr. Johannes Moskaliuk ist Diplompsychologe sowie ausgebildeter Betriebswirt. Er arbeitet als Professor für Psychology and Management an der International School of Management in Stuttgart. Außerdem ist er assoziierter Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen.

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