Personalentwicklung 2.0 – Neue Anforderungen an Bildungsexperten

Der Vormarsch von Social Media bringt neue Rollen für Bildungsexperten mit sich: Personalentwickler sind nicht mehr nur Bildungsmanager, sondern auch Community Manager und Lernprozessbegleiter. Damit verbunden sind neue Aufgaben, die neue Fähigkeiten und Kenntnisse erfordern.

Download: wissens.blitz (53)

Web 2.0 hat das Lernen verändert (siehe wissens.blitz Nr. 42) und hat damit gleichzeitig massive Aus­wir­kungen auf die Arbeit von Bildungsexperten. Durch den Ein­satz von Social Media können formale Seminar- und Kursangebote der be­trieblichen Aus- und Weiterbildung um kommu­ni­kative und kolla­borative Ele­mente er­weitert werden. Zum Beispiel können Schulungen durch ein Wiki ergänzt werden, in dem die Kurs­teilnehmenden die Möglichkeit haben, ihre Praxis­erfahrungen sowie Tipps und Tricks auszu­tauschen. Gleich­zeitig kann z.B. mit Hilfe von Community-Plattformen informelles, selbst­organisiertes Lernen gefördert werden. Das Potential dieses informellen Ler­nens ist erkannt, steht aber noch quer zu der Aufgabe, Lern­pro­zesse zu managen, zu kontrollieren und aus­zu­werten.

Neue Rollen der Bildungsexperten

Bildungsmanager, deren Hauptaufgabe es bisher war, das Seminar- und Kursangebot zu verwalten, stehen plötzlich vor völlig neuen Herausforderungen: Sie sind Community Manager, indem sie in sog. Learning Communities (siehe wissens.blitz Nr. 18 und 26) den Wissensaustausch der Mitarbeitenden untereinander fördern. Gleichzeitig sind sie Lernprozessbegleiter, die den Lernenden beratend zur Seite stehen und sie dabei unterstützen, sich eigenverantwortlich und selbst­bestimmt neues Wissen und neue Kompetenzen anzueignen. Diese neuen Rollen und die damit verbundenen Aufgaben erfordern entsprechend neue Fähigkeiten und Kenntnisse, die sich nicht mehr nur auf die Entwicklung, Distribution und Evaluation formaler Qualifizierungs­angebote beschränken.

Drei Hauptentwicklungsaufgaben

  1. Web 2.0 Anwendungen kennenlernen

Zum einen ist es wichtig, sich als Bildungsexperte selbst mit den Funktionalitäten der unterschiedlichen Social-Media-Instrumente vertraut zu machen. Dabei soll es nicht darum gehen, jedes einzelne Tool kennenzulernen und auszuprobieren. Web 2.0 Anwendungen unter­liegen einer äußerst rasanten Entwicklung und was heute angesagt ist, kann morgen schon längst überholt sein. Es geht vielmehr darum, die unterschiedlichen Technologien (z.B. soziale Netzwerke, Wikis, Blogs, Podcats) und auch deren Grenzen kennen zu lernen.

  1. Social Media gezielt zum Lernen einsetzen

Für den erfolgreichen Einsatz von Web 2.0 Anwen­dungen ist technisches Know-How sicherlich not­wendig, aber nicht ausschlaggebend. Wesentlich wich­tiger sind didaktisches und lernpsychologisches Know-How, d.h. es braucht ein Verständnis darüber, wie mit Hilfe von Social Media die wichtigsten Aspekte ge­mein­samen Lernens – nämlich Informationsaus­tausch, Kommunika­tion und Kolla­boration – gefördert werden können. Da­bei stehen u.a. folgende Fragen im Vorder­grund: Wel­che Bedarfe haben die unters­chiedlichen Ziel­­gruppen? Mit welchen Tools können Lernprozesse effek­tiver gestaltet und damit der Lern­erfolg verbessert werden?

  1. Widerstände und Hindernisse erkennen und beseitigen

Die Einführung von Social-Media-Tools ist häufig von Widerständen und Hindernissen begleitet. Nicht selten ist die Nutzung von Social Media am Arbeitsplatz deutlich reglementiert oder sogar untersagt. In diesen Fällen ist es erforderlich, dass Bildungsexperten Pionier­arbeit leisten, indem sie in Kooperation mit KollegInnen aus Rechtsabteilung und IT-Bereich Richtlinien für die Nutzung von Web 2.0 Tools erarbeiten. Ein weiterer bedeutender Aspekt auf organisationaler Ebene ist die Unternehmenskultur. Hierbei ist es erforderlich, die Organisation mit den dahinter liegenden Arbeits­prozessen zu verstehen, um die Einführung und Nutzung von Social Media daran orientieren zu können. Hinderliche Überzeugungen, wie bspw. „Soziales Lernen geht einher mit Zeitver­schwendung“, gilt es auszu­räumen. Bildungs­experten müssen in der Lage sein, anderen die Vorteile von sozialem Lernen aufzuzeigen und die Befürchtungen in Bezug auf Produktivität, Sicherheit und Privatsphäre zu adressieren. Die Akzeptanz der potentiellen NutzerInnen kann bspw. erhöht werden, indem Bildungsexperten selbst gezielt soziale Lernnetzwerke initiieren und vorantreiben.

Fazit

Um Web 2.0 Anwendungen in unterschiedlichen Lern- und Arbeitsbereichen gewinnbringend einsetzen zu können, ist es wichtig, die verschiedenen Technologien, deren Stärken, aber auch deren Grenzen zu kennen. Dieses Wissen kann z.B. im Rahmen eines der zahlreichen externen Weiterbildungsangebote er­worben werden.

Literaturnachweis: Allen, M. & Naughton, J. (2011). Social Learning: A Call to Action for Learning Professionals. T+D magazine, August 2011, 50-55.
Robes, J. (2011). Vom Personalentwickler zum Community Manager? Ein Rollen-bild im Wandel. In A. Trost & T. Jenewein (Hrsg.), Personalentwicklung 2.0. Lernen und Karriereförderung der nächsten Generation (S. 65-77). Köln: Wolters Kluwer.

Zitieren als: Behringer, N. (2012). Personalentwicklung 2.0 – Neue Anforderungen an Bildungsexperten. wissens.blitz (53). https://www.wissensdialoge.de/pe_2.0_anforderungen_bildungsexperten

 

Nicole Behringer

Dr. Nicole Behringer ist bei Daimler Financial Services zuständig für die strategischen Themen im Bereich Global Sales Training. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen. In ihrer Doktorarbeit untersuchte sie motivationale Faktoren des Wissensaustauschs. Auf wissensdialoge.de schreibt sie vor allem über die Themen E-Learning, Enterprise 2.0, Wissensmanagement und Organisationsentwicklung.

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