Perspektivenwechsel? Zuhören mit Interesse und Aufmerksamkeit

Wir arbeiten immer vernetzter. Folglich kommunizieren wir viel tagtäglich. Unser Arbeitsalltag ist von einer zunehmenden Anzahl an Besprechungen gekennzeichnet. Über Organisationsgrenzen hinaus vernetzen und tauschen wir uns online aus. Kommunikation prägt den Großteil unserer Arbeitszeit. Doch wie wechselseitig ist diese Kommunikation? Geht es nicht viel häufiger darum, etwas an jemanden oder in die Welt hinaus zu kommunizieren? Interessieren wir uns (genug) dafür, was bei dem anderen oder in der Welt ankommt? Und noch viel wichtiger: Was wissen wir über unser Gegenüber und über die Welt um uns herum? Wie viel Zeit nehmen wir uns, die Perspektive unserer KollegInnen, MitarbeiterInnen, KlientInnen, KooperationspartnerInnen, GeldgeberInnen zu verstehen?

Durch internationale, interdisziplinäre und intersektorale Zusammenarbeit haben wir es mit vielen verschiedenen Menschen in unterschiedlichen Funktionen und mit unterschiedlichen beruflichen und kulturellen Hintergründen zu tun. Nicht immer verstehen alle unter dem gleichen Begriff das Gleiche. Kulturelle Hintergründe prägen die Erwartungen an soziale Interaktionen. Die Kommunikation erfolgt zudem häufig in Englisch, obwohl die Zahl der Englisch-Muttersprachler unter Umständen klein ist. Hinzukommen weitere individuelle Prägungen im Laufe des privaten und professionellen Lebens. Dies alles macht Missverständnisse wahrscheinlicher.  Der Bedarf an kommunikativer Abstimmung erhöht sich und damit auch der Bedarf an wechselseitigem Zuhören und Verstehen.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die meisten Jobs ständig. Leistungs- und Zeitdruck nehmen zu. Wir sind mit unterschiedlichen Erwartungen konfrontiert, denen wir gerecht werden müssen. So trifft weniger verfügbare Zeit auf mehr Bedarf. Ab wann geht dieses Verhältnis zu Lasten der Produktivität und Leistung?
Dabei ist Diversität als Produktivitäts- und vor allem Innovationsfaktor in aller Munde. Ich persönlich glaube fest daran, dass Diversität Produktivität und Innovation fördert. Dort wo Reibung durch Unterschiedlichkeit entsteht, werden bestehende Prozesse hinterfragt und dadurch optimiert und so entsteht Neues. Allerdings nur dann, wenn wir diese Reibung zulassen und uns die Zeit nehmen, uns mit ihr auseinanderzusetzen.
Deshalb mein Aufruf an Sie: Öffnen Sie Ohren und Augen, seien Sie neugierig auf Ihr Gegenüber und konzentrieren Sie sich mehr aufs Zuhören!

Katrin Wodzicki

Momentan leitet sie den Bereich Personalentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte an der Universität Zürich. Anschließend forschte sie zu psychologischen und motivationalen Aspekten der computer-vermittelten Kommunikation und Kooperation am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über Social Media, Teaminteraktion und Arbeitsorganisation.

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