Selbstsabotage oder die Angst erfolgreich zu sein

Wir stehen uns oft selbst im Weg und verhindern aktiv die Erreichung unserer Ziel, mal mehr oder weniger bewusst. Eigentlich wüssten wir genau, was wir tun müssten, um unserem Ziel näher zu kommen. Wir sollten einige Bewerbungen schreiben, wir sollten endlich die Mitarbeitergespräche führen, wir sollten endlich fürs Studium lernen, wir sollten Blogbeiträge schreiben oder uns endlich trauen einen Youtube-Kanal zu starten. Eigentlich wissen wir oft ganz genau, welche Schritte uns Erfolg bringen würden, gehen sie dann aber einfach nicht. Oder noch schlimmer, wir machen es und verzetteln uns dabei. Das Ergebnis ist dann oft weit weg von dem, was man sich gewünscht hat und man steht vor einer immer größer werdenden Herausforderung.

Warum aber passiert das ausgerechnet bei den Themen, die uns so wichtig sind? Wieso wissen wir oft genau, welche Schritte für unsere persönliche oder berufliche Entwicklung wichtig wären und gehen sie einfach nicht? Wieso schieben wir ausgerechnet die wichtigsten To Dos immer wieder vor uns her?

Dahinter steckt oft eine Form der Selbstsabotage, die dadurch entsteht, dass wir unbewusst Angst davor haben erfolgreich zu sein. In unserem Bewusstsein äußert sich diese Angst dann zum Beispiel durch mangelndes Selbstvertrauen, durch Aufschieberei oder Lethargie. Wir nehmen uns immer wieder vor bestimmte Themen in Angriff zu nehmen, machen es dann aber wieder und wieder nicht. Die Art und Weise, wie wir uns von unserem Ziel abhalten, kann dabei ganz unterschiedlich sein. Es lassen sich die folgenden Typen unterscheiden:

1. Die Flucht in andere Aufgaben oder Themen:

Wer kennt das nicht, man müsste eigentlich dringend für die Uni oder Schule lernen und putzt stattdessen die Wohnung. Nicht, dass man gerne putzen würde, aber gerade dadurch funktioniert diese Selbstsabotage so wunderbar. Man redet sich ein, dass man ja etwas sehr sinnvolles tue, was auch dringend notwendig sei. Und da es sich um eine sehr unliebsame Beschäftigung handelt, trickst man sich damit für eine kurze Zeit aus und hat kein schlechtes Gewissen.

2. Die Flucht in Selbstmitleid oder Selbstzweifel:

Statt die eigentliche Aufgabe in Angriff zu nehmen und bspw. die Bewerbung zu schreiben, flüchtet man lieber in Selbstzweifel. Man startet einen inneren Monolog, der sich nur noch darum dreht, dass man sowieso nichts kann und die Beförderung eh nicht verdient hat oder sowieso nicht dazu in der Lage ist, die neue Stelle anzutreten. Diesen inneren Monolog führt man so lange, bis man sich dazu entschließt, die Aufgabe nun doch nicht in Angriff zu nehmen und sie doch lieber direkt ganz von der To Do Liste zu streichen. Man kann es ja eh nicht. Eine weitere Variante dieser Art der Selbstsabotage ist die Flucht in Selbstmitleid. Ein beliebtes Thema hierbei ist oft die Idee, dass die anderen eh besser sind oder einem Steine in den Weg legen und man es dadurch sowie nicht schaffen kann. Man wäre ja eigentlich dazu in der Lage, aber eine andere Person verhindert den Erfolg auf irgendeine Art und Weise. Auch hier kommt man oft zu dem Schluss, dass es keinen Sinn macht, wenn man es überhaupt probiert.

3. Die Attacke der Aufgabe:

Die Aufgabe wird derart „attackiert“, dass man damit gleichzeitig alle Aussichten auf Erfolg einstampft. Man drangsaliert die Vorgesetzten mit Fragen zu einer ausgeschriebenen Beförderung, man schreibt stundenlang an der Einleitung der Bewerbung, man nimmt 100 Mal das gleiche Video auf für den Youtube-Kanal, den man schon seit Jahren starten wollte. Man belegt 10 Kurse zum Thema, macht Übungen, Skizzen und Entwürfe und erzielt einfach kein Endergebnis. Entweder ist das Ergebnis nie gut genug oder man hält sich so sehr an einzelnen Schritten auf, dass kein Gesamtergebnis entstehen kann. Man behält somit das Ziel auf der eigenen To Do Liste und hat sogar das Gefühl, dass man aktiv an diesem Ziel arbeitet, eigentlich sabotiert man aber aktiv die Erreichung dieses Ziels.

4. Die Lethargie:

Angesichts bestimmter Ziele oder Aufgaben verfällt man komplett in eine Art Schockstarre oder Lethargie und kann sich zu gar keiner Aktivität mehr aufraffen. Das Aufstehen wird schwer, jedes Mal, wenn man sich der Aufgabe widmen will, wird man müde, hungrig oder unruhig. Eine produktive Arbeitsweise wird teilweise komplett unterbunden und es sind nur noch passive Tätigkeiten wie bspw. Fernsehen möglich. Diese Art der Reaktion kann nach einiger Zeit sogar in eine depressive Entwicklung münden und sollte dann evlt. psychotherapeutisch behandelt werden.

Finden Sie sich in einem dieser Typen wieder?

Gibt es eine Aufgabe oder ein Ziel, bei dem Sie ein solches Verhalten bei sich bereits beobachtet haben? Dann ist es gut möglich, dass Sie sich unbewusst selbst sabotieren. Aber warum sabotieren wir uns selbst? Welchen Sinn hat dieses Verhalten?

Selbstsabotage hat oft damit zu tun, dass unsere bewussten Ziele nicht mit unseren unbewussten Zielen übereinstimmen. Das kann einerseits dadurch entstehen, dass unsere bewussten Ziele eigentlich gar nicht gut für uns sind und unser Unterbewusstsein deshalb auf Sabotage schaltet. Genauso ist es aber möglich, dass wir unbewussten Glaubenssätzen oder Programmen ausgesetzt sind, die uns in eine bestimmte Richtung drängen und daher andere Pläne sabotieren. In beiden Fällen geht es also um die Angst vor Erfolg. Wir stehen uns selbst im Weg, um nicht erfolgreich zu sein und erreichen dadurch, dass der Status quo gewahrt bleibt und sich nichts ändern. Damit sind wir eigentlich immer auf der sicheren Seite und bleiben da, wo wir sind. Erfolg würde nämlich bedeuten, dass wir unsere Komfortzone verlassen müssten und nicht einschätzen können, was dann auf uns zu kommt. In den meisten Fällen findet man hier den Grund für die Selbstsabotage.

Wenn Sie sich also in einem der Selbstsabotage-Typen wiederfinden, dann sollten Sie herausfinden, warum Sie sich selbst sabotieren. Um den Ursachen dabei auf den Grund zu gehen, kann es Ihnen helfen, die folgenden Fragen ehrlich für sich selbst zu beantworten:

  • Ist mein Ziel wirklich gut für mich oder verrenne ich mich in ein Thema (Karriere, Beziehung, Geld, Aussehen, …), um einem anderen Thema auszuweichen (wie bspw. Selbstzweifel, Minderwertigkeitsgefühle, Beziehungsprobleme, familiäre Probleme, Geldsorgen, etc)?
  • Warum ist mir dieses Ziel so wichtig?
  • Was glaube ich, wie sich mein Leben verändert, wenn ich dieses Ziel erreicht habe?
  • Warum sabotiere ich mich bei diesem Ziel? Will ich dieses Ziel wirklich für mich selbst erreichen oder geht es mir um andere Themen (Anerkennung, Ruhm, Geld, etc)?
  • Wie soll mein Leben in 10 Jahren sein? Ist dieses Ziel dafür wirklich wichtig oder setze ich vielleicht an der ganz falschen Stelle an?

Sie wollen tiefer an dem Thema Selbstsabotage und Erfolgsangst arbeiten oder die Ursachen Ihrer Selbstsabotage sind durch bewusstes Hinterfragen nicht erreichbar? Dann nehmen Sie am 21.7.18 an meinem Workshop in Mainz teil. Hier geht’s zur Anmeldung: Hast Du Angst erfolgreich zu sein?

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