„Spuren im Sand“ – Warum es sinnvoll sein kann, Informationen über andere sichtbar zu machen

Die Anzahl an Informationen, denen sich Mitarbeitende konfrontiert sehen, steigt täglich. Um dennoch effizient Entscheidungen treffen zu können, kann es daher hilfreich sein, Informationen über andere durch eine Art „digitalisierten Trampelpfad“ sichtbar zu machen.


Download: wissens.blitz (61)

Unsere Handlungen werden häufig implizit durch andere beeinflusst: Wenn wir nicht sicher sind, für welches Mittagessen wir uns in der Kantine entscheiden sollen, dann können wir die Länge der Warteschlange als klaren Indikator für die Beliebtheit eines bestimmten Gerichts nutzen. Diese Orientierung an anderen, die Nutzung ihrer Handlungen und Präferenzen als Wegweiser oder eine Art „Spur im Sand“, wird als soziale Navigation bezeichnet. Sozial, weil die Informationen von anderen Personen genutzt werden und Navigation, weil diese Informationen den Weg durch die Menge an Alternativen leiten.

Computerbasierte „soziale Navigation“

Soziale Navigation spielt auch in der computergestützten Arbeitswelt eine Rolle. Besonders auf Plattformen und Portalen, auf denen eine unüberschaubare Anzahl an Informationen bereitgestellt wird, helfen Bestseller-Listen, die Anzahl der Downloads oder Nutzer-Bewertungen, Informationen leichter aufzufinden und irrelevante Informationen zu filtern.

Die dabei gebotene Unterstützung, populäre Objekte, Plätze und Personen leichter identifizieren zu können, hat zwei weitere Funktionen:

Funktionen sozialer Navigation

  • Soziale Navigation kann helfen, eigene Präferenzen bewusst zu machen
  • Soziale Navigation kann helfen, Entscheidungen—besonders unter Unsicherheit oder wenn viele Alternativen bereitstehen—zu treffen

Anwendungsfall: Empfehlungssysteme

Empfehlungssysteme sind ein populärer Anwendungsfall, welcher auf den Prinzipien der sozialen Navigation beruht. Empfehlungssysteme sind Filtermechanismen, die ihren Ursprung im kommerziellen Bereich haben und ursprünglich auf Produktempfehlungen begrenzt waren. Mittlerweile werden Empfehlungssysteme jedoch auch in anderen Bereichen eingesetzt: Auf Lernplattformen werden Kursinhalte empfohlen, bei Online-Bibliotheken können durch Empfehlungen relevante Bücher leichter aufgefunden werden und im Intranet helfen diese Systeme, Experten im eigenen Unternehmen zu identifizieren. Diese Empfehlungen können auf unterschiedliche Weise abgeleitet werden. Zwei Grundformen sollen hier vorgestellt werden.

Einerseits können Empfehlungssysteme inhaltsbasiert sein. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn sich Nutzer häufiger Informationen zum Thema „Wissensmanagement“ herunterladen und ihnen dann automatisch weitere Dokumente zu diesem Themenbereich empfohlen werden.

Inhaltsbasierte Empfehlungssysteme

  • beruhen auf Objekteigenschaften
  • analysieren Ähnlichkeiten zwischen Objekten

Andererseits können Empfehlungssysteme nutzerbasiert sein. Nehmen wir an, Nutzer A bewertet den wissens.blitz „Motiviert durch Erfolg und Misserfolg“ positiv mit 5 Sternen. Gibt es jetzt eine Gruppe anderer Nutzer, die diesen Artikel positiv bewerteten, so bekommt Nutzer A weitere Blogbeiträge empfohlen, die dieser Nutzergruppe ebenfalls gefallen haben, jedoch von Nutzer A noch nicht gelesen wurden.

Nutzerbasierte Empfehlungssysteme

  • beruhen auf Personeneigenschaften
  • analysieren Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Nutzern (bspw. ermittelt über Logfiles, Profildaten oder aktive Bewertungen)

Fazit

Prinzipien der sozialen Navigation können—sowohl im direkten Kontakt als auch bei computergestützter Kom- munikation—dabei helfen, eigene Präferenzen bewusst zu machen und Entscheidungen zu treffen. Ein bekannter Anwendungsfall sozialer Navigation sind Empfehlungssysteme, welche das Auffinden relevanter Informationen erleichtern.

Allerdings ist zu beachten, dass die Schaffung von Transparenz (bzw. das Sichtbar machen von Informationen über andere) immer einen sensiblen Umgang mit Datenschutz und Privatsphäre der Beteiligten voraussetzt. Richtig implementiert jedoch, können diese Systeme wie „Spuren im Sand“ den nachfolgenden Nutzern einen Weg durch die Menge an Alternativen aufzeigen.

Literaturnachweis: Ricci, F., Rokach, L., Shapira, B., & Kantor, P. B. (2011). Recommender systems handbook. New York, NY: Springer.

Zitieren als: Schwind, C. (2012). „Spuren im Sand“ – Warum es sinnvoll sein kann, Informationen über andere sichtbar zu machen. wissens.blitz (61). https://www.wissensdialoge.de/soziale_navigation

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