Teams virtuell trainieren: Die Bedeutung von sozialer Präsenz

Soziale Präsenz als das Gefühl, mit anderen zusammen zu sein, kann eine entscheidende Rolle beim Erfolg von virtuellem Teamtraining spielen. Durch das Erleben von sozialer Präsenz wird das virtuelle Teamtraining realistischer und Lernerfolge werden wahrscheinlicher.

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Warum trainieren Teams?

Manche Aufgaben lassen sich nur im Team lösen. Dazu muss ein Team, also zwei oder mehr Personen, zusammenarbeiten um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Die Teammitglieder hängen also voneinander ab und müssen sich aneinander anpassen. Ein Team kann seine Ziele folglich nur gemeinsam erreichen, was
ein effektives zusammenwirken aller Teammitglieder voraussetzt.
Wann macht virtuelles Teamtraining Sinn?
Virtuelles Teamtraining kann Teams dabei unterstützten, Kommunikation und Zusammenarbeit zu trainieren. Das ist immer dann sinnvoll, wenn bestimmte
Situationen oder Interaktionen nicht in der Realität trainiert werden können. Dies kann bedingt sein durch zu hohe Kosten, zeitlichen, materiellen oder
organisatorischen Aufwand oder auch durch zu große Gefahren, die durch die nachgestellte Situation entstehen würden. Virtuelles Teamtraining kann außerdem auch sinnvoll sein, wenn sich die Teammitglieder an unterschiedlichen Orten befinden und ein reales Training daher schwierig wäre.
Was kann/soll im virtuellen Training trainiert werden?
In einem Team arbeiten Menschen mit unterschiedlichem Expertenwissen zusammen, um eine gemeinsame Aufgabe zu lösen. Die Teammitglieder
müssen also die Anforderungen der Aufgabe und die Expertise der anderen genau kennen. Für die effektive Zusammenarbeit eines Teams ist es
wichtig, dass sich eine implizite Koordination innerhalb des Teams entwickelt (Cannon-Bowers & Salas, 1998).  Dazu gehören bspw. ein gemeinsames Verständnis des jeweiligen Problems und wie es gelöst werden kann,
sowie ein gemeinsames mentales Modell, also geteiltes Wissen innerhalb des Teams. Zusätzlich ist es wichtig, dass sich Teammitglieder gegenseitig motivieren können und ihre Arbeit organisieren und strukturieren. Daneben spielt die Kommunikation innerhalb des Teams eine große Rolle für das Gelingen einer Aufgabe. Dazu gehört es unter anderem, Wissen weiterzugeben,
Anmerkungen anderer ernst zu nehmen und Probleme deeskalierend zu lösen. Diese Faktoren können virtuell trainiert werden, wenn die virtuelle Umgebung ein ausreichendes Maß an sozialer Präsenz aufweist bzw. entstehen lässt.

Welche Rolle spielt soziale Präsenz für virtuelles Training?

Soziale Präsenz beschreibt das Gefühl, mit anderen zusammen zu sein, also sich der Anwesenheit anderer in einer medialen Umgebung bewusst zu sein (Biocca,
Harms, & Burgoon, 2003). Diese Wahrnehmung führt im virtuellen Training dazu, dass innerhalb des Teams soziale Identitäten und Hierarchien wichtig werden. Das Training wird somit realistischer bezüglich sozialer Aspekte innerhalb des Teams, wodurch die Kommunikation untereinander trainiert wird, ebenso wie der Erwerb von Handlungswissen. Dies kann für eine spätere Zusammenarbeit in der Realität von entscheidender Bedeutung sein.

Welche Faktoren beeinflussen die Entstehung von sozialer Präsenz?

Das Erleben von sozialer Präsenz hängt sehr stark von der Art und Menge an dargebotenen Informationen ab, die in der virtuellen Umgebung über die einzelnen Teammitglieder vorhanden sind. Wichtig ist es, dass die Trainierenden die anderen Teammitglieder als solche erkennen und die jeweiligen Avatare, also die virtuellen Figuren, die von den einzelnen TeilnehmerInnen gesteuert werden, als valide Repräsentationen dieser Personen wahrnehmen. Hierbei ist es hilfreich die Avatare zu individualisieren, was bisher meist über unterschiedliche Kleidung geschieht. Mittlerweile ist es aber auch möglich, die realen Gesichter der TeilnehmerInnen auf die Avatare zu übertragen. Damit könnte ein weiterer Zuwachs an sozialer Präsenz erreicht werden. In einigen virtuellen Umgebungen wird zusätzlich der Name des jeweiligen Avatars angezeigt. Eine wichtige Rolle spielt darüber hinaus die
Möglichkeit zur Kommunikation und Interaktion mit den Avataren in der virtuellen Umgebung. Wenn Trainierende per Headset mit TeamkollegInnen
sprechen können, wird schnell klar, dass zumindest bestimmte Avatare reale Personen darstellen. Auch über andere Kommunikationskanäle, wie bspw. Chat, kann dies erreicht werden. Es sollte allerdings darauf geachtet werden, dass für das Team übliche Kommunikationswege bereitgestellt werden.

 

Literaturnachweise: Biocca, F., Harms, C., & Burgoon, J. K. (2003). Toward a More Robust Theory and Measure of Social Presence: Review and Suggested Criteria. Presence: Teleoperators and Virtual Environments, 12(5), 456-480.
Cannon-Bowers, J. A., & Salas, E. (1998). Team performance and training in complex environments: Recent findings from applied research. Current Directions in Psychological Science, 7(3), 83-87.

Zitieren als: Bertram, J. (2011). Teams virtuell trainieren: Die Bedeutung von sozialer Präsenz. wissens.blitz (19). https://www.wissensdialoge.de/Soziale_Praesenz

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