Projektarbeit 2.0 – Teamreflexion als Schlüssel zu effektiver Projektarbeit

Johannes Moskaliuk hat letzte Woche mit einem wissens.blitz zum Thema Lernen 2.0 unsere ganz aktuelle Serie … 2.0 eröffnet. Wir wissens.werker haben uns vorgenommen, in den nächsten Wochen den MOOC Management 2.0 zu begleiten und unser Wissen zu den Themen des MOOCs zusammenzufassen.

Thema dieser Woche ist Projektmanagement 2.0. Nun sind wir wissens.werker keine Projektmanagement-Experten, und ich möchte deshalb an dieser Stelle das Thema etwas erweitern: Projektarbeit 2.0 bezieht sich auf den zunehmenden Einsatz von Social Software und Web 2.0 Tools, um die Kollaboration und Kommunikation zu erleichtern. Dies ist verbunden mit der Tatsche, dass Projektarbeit 1) meist auch Teamarbeit ist, 2) diese Teams zunehmend selbstorganisiert und verteilt arbeiten (das etwas ältere Schlagwort ‚virtuelle Teams’ fällt mir hierzu noch ein) und 3) Projektarbeit im Team heute immer auch geteilte Verantwortung für den Projekterfolg umfasst (in der Forschung bekannt unter dem Begriff Shared Leadership).

Wenn „Projekte 2.0“ erfolgreich sein sollen, so muss das „Team 2.0“ perfekt zusammenarbeiten – die besondere Herausforderung ist dabei, dass Teams heute häufig in kurzfristigen Projekten zusammenarbeiten und sehr schnell die Effizienz von früher vielleicht langjährig bestehender Teams erreichen müssen. Zum Teamlernen, also der kontinuierlichen Evaluation und Weiterentwicklung der Teamzusammenarbeit, bleibt da wenig Zeit. Deshalb wollen wir, Annika Scholl und ich, in diesem gemeinsamen wissens.dialog ein Thema ganz speziell beleuchten, welches unserer Ansicht nach der Schlüssel für effektive Teamarbeit und damit auch effektive Projektarbeit sein kann: Lernen durch Teamreflexion.

Teamreflexivität ist definiert als das Ausmaß, in dem Teams ihre Ziele, Strategien und Prozesse regelmäßig reflektieren. Indikatoren für Teamreflexivität umfassen bspw. das gegenseitige Geben und Nehmen von Feedback, Diskussionen von Zielen und zugrunde liegenden Annahmen und Wertvorstellungen oder auch die regelmäßige Evaluation von bisherigen (Zwischen-)Ergebnissen der Teamarbeit (https://www.wissensdialoge.de/teamreflexivitaet_fuehrung/). Dabei kann eine geteilte Vision förderlich für Lernprozesse durch Reflexion sein, weil diese Vision einen geteilten Bezugsrahmen darstellt, anhand derer Ziele, Strategien und Leistungen gemeinsam evaluiert werden können. Transformationale Führung betont gerade diese gemeinsame Vision und die gemeinsamen Ziele, und stimuliert so die Reflexion im Team (https://www.wissensdialoge.de/teamreflexivitaet_fuehrung/).

Reflexion (im Team) kann dann folgende positive Effekte haben:

  • Mehr Kommunikation untereinander: Wenn im Team ein Klima von häufiger Reflexion herrscht, kommunizieren die Mitarbeitenden offener miteinander und können so wirksame und uneffektive Strategien besser identifizieren (https://www.wissensdialoge.de/reflexion-in-teams/).
  • Bessere Leistung des Einzelnen und des Teams: Reflektieren kann das Lösen von Problemen, das Identifizieren von Fehlerquellen, kreative Ideen und darüber die Leistung des einzelnen Mitarbeiters oder gesamten Teams fördern (https://www.wissensdialoge.de/reflexion/).
  • Zusammenhalt und Zufriedenheit fördern: Gerade nach Erfolgen kann das Reflektieren über diese Erfahrungen die eigenen Energiereserven wieder auffüllen; geteilte Erfolge können ebenso zum Zusammenhalt im Team beitragen (https://www.wissensdialoge.de/reflexion-ueber-positives/).
  • Trost bei Misserfolgen: Ebenso wie Reflexion Lösungen für Probleme aufzeigen kann, kann sie aber auch Trost bei solchen Misserfolgen geben, die man nicht hätte verhindern können, indem man sich dies bewusst macht (https://www.wissensdialoge.de/erfolgreiche-misserfolge/).

Sie kennen vielleicht formale Gelegenheiten für Teamreflexion wie Post Mortem–Meetings oder Project/Event Reviews und Retrospektiven, in denen abgeschlossene Projekte gemeinsam evaluiert werden und wir die Teamarbeit nochmals Revue passieren lassen (Was lief gut, was lief weniger gut?). Aber auch Misserfolge und Fehler, schwierige Situationen, in denen Handlungsroutinen nicht (mehr) funktionieren, oder organisationale Veränderungen, die eine ganz neue Arbeitspraxis notwendig machen – zahlreiche Situationen im Arbeitsalltag bewirken, dass wir uns Gedanken über unsere (Team-)arbeit machen.

Wir reflektieren dabei häufig über folgende Aspekte:

Ob formal im Meeting oder eher informell in der Kaffeepause oder auf dem Nachhauseweg – wenn es uns gelingt, durch das Nachdenken über bisher gemachte Erfahrungen zukünftige Herausforderungen besser zu meistern, sprechen wir von Lernen durch Reflexion. Zu reflektieren scheint– im Vergleich zu anderen Methoden der Leistungssteigerung – relativ einfach, denn sie erfordert vergleichsweise wenig Mittel und Einwirkung von außen (z.B. durch die Organisation). Die Gefahr ist, dass man sich im (gemeinsamen) Grübeln verliert und das konstruktive Potenzial von Reflexion nicht ausgeschöpft wird. Reflektieren hat vor allem dann effektive Folgen, wenn man sich dabei auf diejenigen Aspekte einer Situation beschränkt, die man selbst beeinflussen kann (also z.B. auf die eigene Zeitplanung bis zur Deadline, aber nicht der von anderen festgelegte Zeitpunkt einer Projektabgabe) und wenn wir zukunftsgerichtet vorgehen, statt ausschließlich über hätte und könnte nachzudenken (die Forschung spricht hier von upward thinking).

Hilfreich für konstruktive Reflexionsprozesse ohne ‚Grübel- und Jammerpotenzial’ und andere Nebenwirkungen ist regelmäßiges, verhaltensnahes Feedback, die Möglichkeit, selbstbestimmt und möglichst autonom mit Handlungsalternativen zu experimentieren und der kontinuierliche, offene Austausch zwischen MitarbeiterInnen, um eine gemeinsame Reflexion geteilter Arbeitspraxis und den Aufbau von gemeinsamer Best Practice zu fördern. (https://www.wissensdialoge.de/feedback_plus_reflexion/).

Und gerade für die Reflexion von Misserfolgen (ein sicher eher heikles Thema für viele Organisationen!) ist eine gelebte Lernkultur, in der Fehler und Misserfolge als Chance für Weiterentwicklung betrachtet werden, und ein offenes Feedback- und Diskussionsklima, in dem alle konstruktiv zur Aufarbeitung von Fehlern beitragen, wichtig (https://www.wissensdialoge.de/erfolgreiche-misserfolge/).

Sie sehen an den vielen Links zu Beiträgen hier aus wissens.dialoge, dass uns das Thema Lernen durch Reflexion und insbesondere auch das Thema Teamreflexion am Herzen liegt. Die zahlreichen Links in diesem zusammenfassenden wissens.dialog regen Sie hoffentlich auch an weiterzulesen.

Wir freuen uns auf Kommentare aus Forschung und Praxis zum Lernen durch Reflexion!

Annika Scholl und Kristin Knipfer

Kristin Knipfer

Dr. Kristin Knipfer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der TU München und befasst sich mit individuellen, kooperativen und organisationalen Lern- und Wissensprozessen. Sie ist als Dozentin für das Executive
Education Center der TUM sowie als Trainerin für wissenschaftliche Einrichtungen tätig. Auf wissens.dialoge schreibt sie zu den Themen Führung, Reflexion und Wissensaustausch.

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