Wer weiß was? „Wissende“ Personen in Unternehmen finden

Wissen wird am Arbeitsplatz zu einem großen Teil durch den Austausch mit KollegInnen erworben. Intelligente Software-Systeme können uns dabei helfen, Personen innerhalb des Unternehmens zu finden, die über das benötigte Wissen verfügen.

Download: wissens.blitz (23)

Lernen und Wissenserwerb am Arbeitsplatz geschehenin großem Maße durch Austausch mit KollegInnen (siehez.B. Wissensblitz Nr. 8). Voraussetzung für denAustausch von Wissen ist, dass man weiß, welche Personüber Wissen und Informationen zu bestimmten Themenverfügt. In kleineren Unternehmen mit überschaubarer Mitarbeiterzahl wissen Personen oftmals, was ihre KollegInnen wissen (siehe auch wissens.blitz (9) zum transaktiven Gedächtnis) bzw. wen sie in einerbestimmten Situation fragen können. Sobald dasUnternehmen jedoch eine kritische Größe übersteigt,wird es schwierig, den Überblick zu behalten. Dabeihelfen intelligente Expert Finder Systems („Experten-Finde-Systeme“, EFS).
 

Intelligente Softwaresysteme zum Auffinden ExpertInnen im Unternehmen: Expert Finder

EFS empfehlen Personen als Ansprechpartner für denWissensaustausch. EFS können anhand unterschiedlicher Merkmale charakterisiert werden:
Merkmale anhand derer sich Expert Finder Systems unterscheiden können:
 
  • Wie sieht das zugrunde liegende Expertise-Modell aus? (Gesamtexpertise, Expertise in Teilgebieten…)
  • Auf welchen Kriterien beruht die Einschätzung der Expertise (Verfassen von Berichten, Präsentationen etc.)? Anhand welcher Benutzerinteraktionen wird der Wissensstand diagnostiziert (implizit/explizit/beides)?
  • Wie können Benutzer nach Experten suchen? Wie wird das Ergebnis den Benutzern präsentiert?

Expertise-Begriff 

Auch wenn der Name etwas anderes suggeriert, müssen EFS nicht zwangsläufig „Experten“ finden. Oftmals ist es ausreichend, Personen zu finden, die über Wissenverfügen und daher bei einer anstehenden Aufgabehelfen können. Diese Personen müssen auch keinesfallsExperten in allen Bereichen sein, die Expertise kann sichauf einzelne kleine Teilgebiete beziehen (z.B. „Projektabrechnung“). Personen können natürlich auch in einem Thema „Experten“ und in einem anderenThema „Wissen-Suchende“ sein und sich somitwechselseitig helfen.

Wissensdiagnose

Die Identifikation von ExpertInnen in EFS kann explizitoder implizit erfolgen. Beispiele für explizite Methodensind Selbst-oder Fremdeinschätzung (Stichwort „PeopleTagging“, d.h. Personen geben für sich selbst oder fürandere Themengebiete an, in welchen sie über Wissen verfügen). Der Aufwand hierbei hängt von der Granularität ab, mit der die Einschätzung erfolgen soll.Da sich Wissensgebiete über die Zeit ändern können, muss das EFS in der Lage sein, diese dynamischen Veränderungen abzubilden. Veränderungen im Wissensstand einer Person bedeuten bei expliziter Wissensdiagnose permanenten manuellen Aufwand. Weniger aufwändig für die Benutzer, dafür aber auch technisch schwerer umzusetzen und weniger präzise sind Mechanismen, die auf impliziter Wissensdiagnose basieren: Beispielsweise können Themen automatisch aus E-Mail Konversationen oder aus von Personen verfassten Dokumenten extrahiert werden. Idealerweise werden implizite Methoden mit expliziten kombiniert, indem die Ergebnisse aus der impliziten Wissensdiagnose anschließend explizit überarbeitet und ergänzt werden.

Auffinden von wissenden Personen

EFS können wie „Gelbe Seiten“ ein Verzeichnis von Personen sein, in dem aktiv nach Experten zubestimmten Themengebieten gesucht werden kann. Darüber hinaus stellen manche EFS die Funktionalitätzur Verfügung, dass Personen vom EFS empfohlen werden, die in einer konkreten Situation helfen können. Empfehlungen werden in innovativeren (und forschungsnäheren) Systemen häufig mit Kontext-Erkennung kombiniert, d.h. es wird versucht, die Arbeitsaufgabe von Benutzern und somit den Lernbedarf automatisch zu ermitteln.
Fazit: An technischen Lösungen zum Auffinden vonExpertInnen in Unternehmen wird bereits intensiv gearbeitet. Dennoch muss ein kritischer Punkt bei der Verwendung von EFS beachtet werden: Es müssen Bedingungen geschaffen werden, in denen Personen auch daran interessiert sind, Wissen mit anderen zuteilen (siehe auch wissens.blitz (16)).

 

Zitieren als: Kump, B. (2011). Wer weiß was? „Wissende“ Personen in Unternehmen finden. wissens.blitz (23). https://www.wissensdialoge.de/wer_weiss_was

Barbara Kump

Barbara Kump ist Professorin für Organisationsentwicklung an der Fachhochschule Wien, Assistant Professor am Institut für KMU-Management an der WU Wien, Expertin für Veränderungsprozesse, sowie ausgebildete Supervisorin und Business-Coach. Als promovierte Organisations- und Kognitionspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie vor allem über die Themen organisationales Lernen, Organisationsentwicklung, sowie Wissensprozesse in Zusammenhang mit Veränderung.

%d Bloggern gefällt das: