Ablenkung statt Mehrwert: Wie Laptops unsere Effektivität in Meetings einschränken

Gesenkte Köpfe und starre Blicke auf den eigenen Bildschirm statt erwartungsvoller und aufmerksamer Gesichter? Jeder Referent wird diese Situation schon einmal erlebt haben. Laptops statt Notizblöcke prägen oftmals unseren Arbeitsalltag, egal ob in Vorträgen, Meetings oder Vorlesungen

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Die inzwischen selbstverständliche Nutzung technischer Geräte wird von vielen gar nicht mehr hinterfragt. Doch welche Vor- und vielleicht auch Nachteile sind damit verbunden? Die Forschung zu Studierenden in Vorlesungen zeigt, dass der Gebrauch von Laptops im Vergleich zu handschriftlichen Notizen einige Nachteile mit sich bringt, die gegen die Verwendung von Laptops sprechen. Diese Erkenntnisse könnten auch auf Besprechungen oder Vorträge im Arbeitskontext übertragen werden. Vier Probleme von Laptops und Co. in Meetings und Vorträgen sind bekannt:

1. Laptops verringern die Aufmerksamkeit

Während ein leeres Blatt Papier und ein Kugelschreiber maximal zum „Verschönern“ des Notizzettels durch kleine Zeichnungen verleiten, wenn die Besprechung vielleicht gerade nicht so interessant zu sein scheint, bietet ein Laptop hingegen ganz andere Möglichkeiten der Ablenkung. Auch wenn man sich anfangs fest vornimmt, den Laptop nur zum Mitschreiben zu verwenden, werden diese Vorsätze oft bald über Bord geworfen. Soziale Netzwerke oder E-Mails, die man nur kurz checken wollte, können sich zu wahren „Aufmerksamkeitsfressern“ entwickeln. Dabei überschätzen wir unsere Multitasking-Fähigkeiten meist und denken, wir können gleichzeitig dem Referenten zuhören und nebenher kurz etwas am Laptop nachschauen. Dies stimmt jedoch oftmals nicht. Die Beschäftigung mit dem Laptop zieht sehr viel Aufmerksamkeit vom eigentlichen Geschehen um uns herum ab.

2. Weniger verbale Kommunikation

Diese verringerte Aufmerksamkeit kann eine für Besprechungen verheerende Folge haben: Da die ZuhörerInnen dann unkonzentrierter sind und eher dazu verleitet werden, sich ablenken zu lassen, nimmt ihre Teilnahme an der Besprechung ab. So gehen die eigentliche Idee des Meetings, der Austausch untereinander und die gemeinsame Ausarbeitung von Ideen verloren. In der Arbeitswelt ist der wechselseitige Austausch oft genau das, was die Effektivität von Besprechungen ausmacht. Deshalb sind Laptops nicht nur unnötig, sondern sogar störend, da es hier nicht darum geht, sich haarklein alles zu notieren, sondern mit zu diskutieren.

3. Schlechtere Notizen mit Laptops

Ein scheinbarer Vorteil des Mitschreibens per Tastatur scheint die schnellere Geschwindigkeit zu sein, mit der Notizen getippt werden können. Man sollte meinen, dass ausführlichere Notizen auch von größerem Nutzen sind. Dies ist jedoch nicht der Fall. Durch die hohe Schreibgeschwindigkeit am Laptop wird der/die ZuhörerIn dazu verleitet, passiv das Gesagte Wort für Wort zu protokollieren, ohne aktiv über die Inhalte nachzudenken. Auch ohne jegliches Verständnis können so die Inhalte aufgeschrieben werden. Das ist bei handschriftlichen Notizen nicht möglich. Aufgrund der geringeren Schreibgeschwindigkeit muss man aktiv zuhören und sich wirklich mit dem Inhalt beschäftigen, um herauszufiltern, welche Information wichtig ist. Eine handschriftliche Notiz ist daher meist eine sinnvolle Zusammenfassung der wichtigsten Punkte in eigenen Worten, während ein Laptopmitschrieb eher ein wortwörtliches Protokoll des gesamten Vortrags ohne tiefere Verarbeitung ist.

4. Auch NebensitzerInnen werden abgelenkt

Was den Gebrauch von Laptops in Meetings vielleicht am bedenklichsten macht, ist die Tatsache, dass nicht nur die Leistung des Nutzers selbst abnimmt, sondern auch dessen Umfeld in der Aufmerksamkeit beeinträchtigt wird. Der Bildschirm zieht auch die Blicke der hinter dem/der NutzerIn Sitzenden auf sich und lenkt so vom eigentlichen Geschehen ab. Dies ist jedoch nicht der einzige Ablenkungsfaktor. Auch das andauernde Tippen auf der Tastatur ist wesentlich lauter als das Kratzen eines Stifts auf Papier und kann andere Personen in ihrer Aufmerksamkeit beeinträchtigen.

Fazit

Laptops beanspruchen Aufmerksamkeit, die uns vom eigentlichen Geschehen ablenkt und zu weiteren negativen Konsequenzen, wie der mangelnden Beteiligung oder der Ablenkung unseres Umfelds führen kann. Doch trotz all dieser negativen Befunde können Laptops auch Vorteile bringen. Ein Laptop vereinfacht oft das Arbeiten, Notizen mitschreiben erscheint leichter, Unbekanntes kann sofort nachgeschlagen werden und anschließend kann alles direkt digital abgespeichert und mit anderen geteilt werden. Auch dem Referenten eröffnen Laptops der ZuhörerInnen einige Möglichkeiten, wie z.B. das Einbinden aller Teilnehmenden durch Rechercheaufgaben oder Umfragen, sowie viele Ressourcen, um den Vortrag interessanter zu gestalten und ein anonymes (somit eventuell ehrlicheres) Feedback zu bekommen.

In unserer heutigen Gesellschaft sind Laptops nicht mehr aus Besprechungen, Vorlesungen und Vorträgen wegzudenken. Vielleicht denken Sie aber in Zukunft bei einem Meeting künftig kurz nach, ob der Nutzen eines Laptops wirklich notwendig ist, oder ob sie heute nur mit Stift und Notizblock „bewaffnet“ auskommen können und den Laptop ausgeschaltet lassen. Denn wie Sie jetzt wissen, kann das nicht nur für Sie, sondern auch für Ihr Umfeld förderlich sein.

Literaturnachweis:

Dynarski, S. (22. November 2017). Laptops are Great. But Not During a Lecture or a Meeting. The New York Times. https://www.nytimes.com/2017/11/22/business/laptops-not-during-lecture-or-meeting.html
Boring, A. What is the impact of students’ use of computers in class? SciencesPo. Abgerufen von https://www.sciencespo.fr/learning-lab/en/what-is-the-impact-of-students-use-of-computers-in-class/

Zitieren als: Bader, L. (2019). Ablenkung statt Mehrwert: Wie Laptops unsere Effektivität in Meetings einschränken. wissens.blitz (198). http://www.wissensdialoge.de/laptos-unsere-effektivitaet-einschraenken

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