Effektiver Austausch über alle Hierarchie-Ebenen hinweg

Ein effektiver Austausch zwischen Führungskraft und MitarbeiterIn ist zentral für den Erfolg einer Organisation. Dabei spielt allerdings auch der Austausch zwischen Führungskraft und deren eigenen Vorgesetzten eine wichtige Rolle.

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Organisationale Ressourcen sind „der Schatz“ einer Organisation: Mitarbeitende können effektiver arbeiten, wenn sie Zugang zu ausreichend Informationen, Erfah­rungen, Unterstützung, Beteiligung an Entschei­dungen etc. erhalten. Diese Ressourcen werden u.a. zwischen Hierarchieebenen ausge­tauscht: Zum Beispiel gibt eine Geschäftsfüh­rerin im Unternehmen Informa­tionen an ihre Führungs­kräfte weiter, diese teilen ihr Wissen mit ihren Abteilungsleiter­Innen, welche dieses wiederum an ihre Mitarbei­tenden weitergeben. Für den effektiven Aus­tausch solcher Ressourcen spielt die Qualität der Bezie­hung zwischen Vorgesetzten und Mitarbei­tenden, aber auch die zwischen Vorgesetzten und deren eige­nen Führungskräften eine entscheidende Rolle.

Austausch zwischen Vorgesetzter/m & Mitarbei­ter/in

Wenn der Austausch Vorgesetzte/r – Mitar­beiter/in auf Vertrau­en, Res­pekt, gemein­samen Zielen und einer angemes­senen Weiter­gabe von Res­sourcen basiert, ist die Qualität der Austauschbezie­hung gut. Diese gute Austauschbeziehung wirkt sich posi­tiv auf Mitar­beiten­de aus: Sie sind motivierter und leis­tungs­stärker, sehen sich in ihren Kom­petenzen bestärkt und entwickeln eine höhe­re Bereit­schaft, sich im Gegenzug ebenfalls für orga­nisatio­nale Ziele einzuset­zen. Für Vorgesetzte ist es also wichtig, sich für einen guten Austausch mit ihren Mitarbeiten­den einzu­setzen. Wie sieht dies jedoch in Kontexten aus, in denen Vorgesetzte selbst eigene Füh­rungskräfte haben, mit denen sie im Austausch stehen?

Austausch zwischen Führungsebenen

Ähnlich wie mit ihren Mitarbeitenden tauschen Vorge­setzte oft auch mit eigenen Vorgesetzten Ressour­cen aus. Damit befinden sie sich in der Position, zwei oder mehr Hierarchie­ebenen (z.B. ihre Füh­rungskraft und ihre Mitar­beiten­den) miteinan­der zu ver­binden. Diese Situa­tion kann ihnen einerseits Zugang zu weiteren wichti­gen Ressourcen verschaffen, die Vorge­setzte mit ihren Mitar­beitenden und Teams teilen kön­nen; z.B. erhält eine Vorgesetzte in einer guten Austauschbeziehung mit ihrer Führungskraft Details zu einem Kunden, Zu­gang zu Beförderungsmöglichkeiten oder finan­ziellen Ressourcen, Entscheidungs­befugnisse oder Aner­ken­nung, die sie mit ihren Mitarbei­tenden teilen bzw. an diese vermitteln kann. Diese ver­bindende Position bein­haltet jedoch Hinder­nisse, wenn der Aus­tausch Vorge­setzte/r – Führungs­kraft nicht gut funktioniert.

Einfluss der Austauschs über Hierarchieebenen hinweg

Eine gute Austauschbe­ziehung auf einer Ebe­ne kann sich positiv auf eine darunter liegende Ebene auswir­ken: Zum einen dient der Austausch mit der eigenen Füh­rungskraft einer/m Vorgesetzten als legitimes Vorbild, welches (Führungs-)Verhalten in einer Organisation er­wünscht ist; zum anderen können Vorgesetzte mit vermehr­tem Zugang zu zentralen Ressour­cen auch ihre Mitarbeiten­den stärker motivieren.

  1. Lernen von der eigenen Führungskraft:
  • Vorgesetzte lernen aus Erfahrungen mit ihren eigenen Vorge­setz­ten, wie sie den Austausch mit ihren Mitarbeitenden gestalten können
  • Je besser der Austausch Vorgesetzte/r – eigene Führungskraft, desto besser ist i.d.R. der Aus­tausch Vorgesetzte/r – Mitarbeiter/in
  1. Motivationssteigerung im Team:
  • Vorgesetzte, die einen guten Austausch mit ihrer Führungskraft pflegen, erfahren mehr Anerken­nung im Unternehmen und haben selbst mehr Ressourcen zur Verfü­gung, die sie an ihr Team abgeben können
  • Dies stärkt bei ihren Mitarbeitenden und dem gesamten Team das Selbstver­trauen und den Glauben, durch den eigenen Einsatz im Unterneh­men etwas bewirken zu können

Fazit: Für Organisationen ist es wichtig, auch auf Füh­rungsebenen gute Austauschbeziehungen zu fördern: z.B. durch ein fortlaufendes, angemessenes Teilen von Ressourcen auf allen Ebenen (Unterstützung, Entschei­dungsbefug­nis, Autonomie, Wissen etc.), das Angebot von Trainings und informellen Events zur Entwicklung guter Austauschbeziehungen, und ein organisationales Klima, das Vertrauen und gegenseitigen Austausch betont und „vorlebt“.

Literaturnachweis: Erdogan, B., & Enders, J. (2007). Support from the top: Supervisors‘ perceived organizational support as a moderator of leader-member exchange to satisfcation and performance relationships. Journal of Applied Psychology, 92, 321-330.
Zhou, L., Wang, M., Chen, G., & Shi, J. (2012). Supervisors‘ upward exchange relationships and subordinate outcomes: Testing the multilevel mediation role of empowerment. Journal of Applied Psychology, 97, 668-680.

Bildnachweis: https://pixabay.com/de/kunstwerk-leiter-himmelsleiter-797/

Zitieren als: Scholl, A. (2012). Effektiver Austausch über alle Hierarchie-Ebenen hinweg. wissens.blitz (79). https://www.wissensdialoge.de/wissensaustausch_in_hierarchien

 

Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissenaustausch in Arbeitsteams.

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