Ziele in der Personalentwicklung: Stärken nutzen versus Schwächen beheben

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, wie sehr ich einen stärken-orientierten Ansatz bevorzuge. Was ich darunter verstehe? Aus meiner Sicht hat jeder Mensch bestimmte Stärken. Diese befähigen ihn oder sie dazu, in bestimmten Kontexten oder bei bestimmten Aufgaben besonders erfolgreich zu handeln. Diese Stärken unterscheiden uns Menschen. Während der eine Routinen perfektioniert, initiiert eine andere innovative Projekte. Stärken haben mit Vorlieben und Talenten, aber auch mit Erfahrung und Wissen zu tun.

Ein stärken-orientierter Ansatz in der Personalentwicklung bedeutet für mich, auf diesen Vorlieben und Talenten aufzubauen. Stärken-orientierte Personalentwicklung unterstützt das Bewusstsein über die eigenen Vorlieben und Talente. Sie zeigt Möglichkeiten auf, diese weiterzuentwickeln. Sie unterstützt eine Karriereentwicklung, in der die individuellen Stärken optimal genutzt werden. Sie fördert Diversität.

Im Kontrast dazu sucht ein schwächen-orientierter Ansatz nach Fähigkeiten, die verbessert werden müssen. Dass, was ein Mitarbeiter noch nicht beherrscht, soll er lernen oder trainieren. Aus meiner Sicht läuft ein solcher Ansatz Gefahr, Mitarbeitende gleich zu machen. Er lässt die individuellen Potentiale ungenutzt. Er verschenkt die Vorteile von Diversität.

Gerade in der Zusammenarbeit im Team ist es wichtig, unterschiedliche Stärken vertreten zu haben und für das gemeinsame Ziel zu nutzen. Das ist sicher nicht trivial. Es setzt voraus, dass jeder seine Stärken kennt und diese zu nutzen weiß. Es setzt auch voraus, dass Teammitglieder die unterschiedlichen Stärken im Team zu schätzen wissen und Aufgaben und Verantwortungen entsprechend verteilen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir mit einer Stärkenorientierung nicht nur den Erfolg einer jeden Mitarbeiterin, sondern auch ganzer Teams erhöhen.

 

Katrin Wodzicki

Momentan leitet sie den Bereich Personalentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte an der Universität Zürich. Anschließend forschte sie zu psychologischen und motivationalen Aspekten der computer-vermittelten Kommunikation und Kooperation am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über Social Media, Teaminteraktion und Arbeitsorganisation.

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